AfD-Kongress und die Pädokriminalität – Demarkationslinie überschritten

von: Redaktion [Tertium datur]

In den letzten Tagen gab es mächtig Aufregung um den von vier AfD-Bundestagsabgeordneten initiierten und gemeinsam mit der „Vereinigung Freie Medien e.V.“ geplanten „Kongress der freien Medien“, der im Bundestag stattfinden soll.

Wir hatten höflich für die Einladung, die [Tertium datur] erreichte, gedankt und unsere Teilnahme wohlbegründet mit diesem Artikel abgesagt: hier klicken.

Die AfD-Abgeordneten stehen jetzt nicht nur bei den anderen Parteien in Kritik, weil sie offensichtlich mit Fraktionsmitteln und damit mit Steuergeldern Blogger in AfD-Berichterstattung und Wahlkampfhilfe einbinden möchten, sondern geraten auch parteiintern unter Beschuss.

Wenn einer der Organisatoren, Petr Bystron, nun im Deutschland-Kurier schreibt, dass „Grüne einen Kongress der Meinungsfreiheit verhindern“ (hier nachzulesen) möchten, ist dies nur eine Seite der Medaille. Wir hatten uns bereits vor dieser Aufregung um den Kongress gerade aus dem Grund eindeutig positioniert, weil wir es eben nicht als freiheitlich verstehen, für Kampagnen, Vernetzung untereinander und vor allem unter der Federführung einer Partei geschult zu werden.

[Tertium datur] war entsprechend der einzige Blog in der konservativen Szene, der sich entsprechend positionierte.

Alle anderen Blogs und Netzwerke standen der Veranstaltung nicht nur kritiklos, sondern darüber hinaus bereitwillig zur Verfügung.

[Tertium datur] stieß sich zudem am Umstand, dass die „Vereinigung Freier Medien e.V.“ ein gemeinsames Projekt mit einer Partei durchführen möchte, was mit dem Bewusstsein für wirklich unabhängige, kritische Berichterstattung unserer Auffassung nach übereingeht.

Wir hatten im oben gesagten Artikel ausführlich begründet.

In der Einladung, die uns erreicht hatte, wurde explizit aufgeführt, dass ein Überraschungsgast zum Thema „Kampagnen erfolgreich führen“ den Abschlussvortrag ausgestalten solle. Die Organisatoren ließen durchsickern, dass es sich beim Redner um Steve Bannon handeln solle. Vor wenigen Tagen wurden bekannt, dass dieser die Veranstaltung abgesagt habe und lediglich über eine Video-Schaltung ein Grußwort an den Kongress sprechen wolle.

(Ausschnitt aus Tagesordnung Kongress Freie Medien)

Alternativ für Bannon wurde nun ein Ex-Breitbart-Mitarbeiter eingeladen und angekündigt: Milo Yiannopoulos.

Einer der Organisatoren aus der AfD-Fraktion schreibt beim Deutschland-Kurier zu Bannon Folgendes:

Selbst wenn Bannon da wäre – ja, er kennt sich zwar mit Wahlkampf aus –, na und? Er hätte als ehemaliger Chef von ›Breitbart‹ über Redefreiheit und Onlinemedien seine Erfahrungen zum Besten gegeben. Für die Teilnehmer sicher eine spannende Sache. Wo wäre da der Wahlkampf?

Wir wissen zwar nicht, ob es sich bei diesem Abschlussvortrag um Kampagnen für den Vorwerk-Thermomix handeln sollte oder aber um Kampagnen für Safer Sex, aber wir denken, es ist nicht weit hergeholt, wenn wir davon ausgehen, dass es sich um politische Kampagnen und vor allem um Wahlkampf-Kampagnen handeln könnte, wenn dieser Kongress der AfD so am Herzen liegt und vor allem von dieser – so kurz vor den Wahlen im EP und Landtagswahlen im Osten der Republik – veranstaltet, gefördert und finanziert wird.

Wir denken, wir unterstellen nichts an den Haaren Herbeigezogenes, wenn wir von Wahlkampfkampagnen oder zumindest AfD-Kampagnen ausgehen, die wir als Blogger transportieren, unterstützen, fördern oder gar initiieren sollten.

Kampagnen sind Kampagnen und keine freie Berichterstattung und auch keine Form der „freien Meinungsäußerung“, sondern… Kampagnen.

Weiterhin schreibt der Bundestagsabgeordnete im Deutschland-Kurier:

„Rotes Tuch für die Grünen war auch der ehemalige Herausgeber von ›Breitbart‹, Steve Bannon. Dieser wurde in Medienberichten als möglicher Hauptredner gehandelt. Dabei kommt Bannon gar nicht zu der Veranstaltung, vielmehr wird der aktuell von der ›Facebook‹-Löschung seines Accounts betroffene Star-Journalist und ebenfalls ehemalige ›Breitbart‹-Mitarbeiter Milo Yiannopoulos teilnehmen. Sein Thema: »Onlinemedien im Zeitalter der Unterdrückung der Meinungsfreiheit«.“

Gut. Themenändernung und Änderung der Tagesordnung: jetzt nicht mehr „Kampagnen erfolgreich gestalten“, sondern „Onlinemedien und Meinungsfreiheit“ ist das Thema. Soweit wäre das für uns in Ordnung. Wenn nicht …

Wir wundern uns darüber, dass die AfD-Abgeordneten unbedingt Menschen aus den USA engagieren muss, die sich damit hervortaten, im Trump-Wahlkampf riesige Kampagnen durchzuführen. Eine Partei, die stets den Patriotismus hochhebt, könnte sich durchaus auch innerhalb Deutschlands umtun, um dort fähige und kompetente Referenten zu finden. Dies aber nur am Rande.

Dass die AfD und vor allem vorne dran die organisierenden Bundestagsabgeordneten Höchst, Bystron, Hemmelgarn und Kollegen voller Freude und Begeisterung ausgerechnet Milo Yiannopoulos einladen, befremdet uns.

Bystron sagt unter dem Untertitel: „Grüne gegen schwulen Ausländer“

„Pikantes Detail am Rande: Die Grünen versuchen nicht nur die Redefreiheit zu unterdrücken. Der Hauptredner Milo Yiannopoulos ist nicht nur ein Star-Blogger, sondern auch ein bekennender Homosexueller.“

Unser Eindruck ist der, dass man sich nicht allzu viel Mühe damit gibt, eine sorgfältige Auswahl der Referenten vorzunehmen, sondern sich mit Polit-Promis aus den USA schmücken und sich selbst damit durch deren Nimbus erhöhen möchte.

Dabei geht einem schonmal im Übereifer durch die Lappen, dass man gerade beim Bestreben, mit deren Image das eigene Image aufpolieren zu wollen, mit äußerster Sorgfalt vorgehen sollte.

Im Falle von Milo Yiannopoulos muss man sich dann eben an die eigene Jacke kleben lassen, dass er bei Breitbart wegen „pädophiler“ Äußerungen gehen musste. Der Hauptredner ist also nicht nur ein „Star-Blogger“, mit dem man sich schmücken möchte, ein Homosexueller, mit dem man Toleranz und Offenheit – wie im Artikel explizit erwähnt – demonstrieren will, ein Schwuler, der von Lesben sagt, dass sie „verwirrte heterosexuelle Frauen“ seinen. Er ist damit kein „bekennender Homosexueller“, sondern ein Homosexueller, der sagt, dass …

„… dass 13-jährige Jungen die Möglichkeit haben sollten, sexuelle Erfahrungen mit Männern sammeln zu können, da auch sie einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit älteren Männern haben könnten“

Später ließ Yiannopoulos dann wissen, „Pädophilie liege nicht vor, wenn sich Männer zu „sexuell reifen“ Kindern hingezogen fühlten, sondern nur, wenn diese noch nicht in die Pubertät eingetreten seien.“

Wer entscheidet also, ob ein Kind „sexuell reif“ ist? Der erwachsene Mann, der mit ihnen Sex haben möchte? Der Richter, der ihn wegen „Pädophilie“ belangt?

Hier das Original-Video aus dem Jahr 2017:

Wir sagen dazu klipp und klar:

Egal nun, ob die AfD an der (fragwürdigen!) Prominenz eines Ex-Breitbart-Mitarbeiters partizipieren wollte und egal nun, ob Milo gegebenenfalls tatsächlich etwas zum Thema Meinungsfreiheit sagen könnte:

bei Gewalt an Kindern (und das ist Pädokriminalität!) ist bei uns eine moralische Demarkationslinie überschritten.

Wenn es der Meinung von Udo Hemmelgarn (MdB), Petr Bystron (MdB), Nicole Höchst (MdB und Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Uwe Schulz (MdB) und dem Geschmack der „Vereinigung Freier Medien e.V.“ unter Federführung von David Berger entspricht, dass ein offen Pädokriminalität (um den richtigen Begriff zu verwenden) befürwortender Mann unbedingt Referent eines AfD-Kongresses im deutschen Bundestag sein sollte, dann entspricht sowohl dessen Meinungsäußerung zu „Sex mit Kindern“ unserem Verständnis von Meinungsfreiheit, als auch, dass es unserem Verständnis von Meinungsfreiheit entspricht, dass Höchst, Schulz, Bystron und Hemmelgarn einen Pädo-Kriminalität befürwortenden Redner zu Meinungsfreiheit reden lassen wollen.

Unseren Werten entspricht es aber keinesfalls, dass man diesen als ultimativen Superstar und exponierten Gast anpreist und sich mit ihm gemein macht. Milo Y. ist und bleibt damit ein Befürworter von Pädokriminalität.

Hemmelgarn, Höchst, Bystron, Schulz und Berger (vor allem als Islamkritiker) haben damit ein für alle Male verwirkt, etwas zu Themen wie Kinderehen, Pädokriminalität und sexuelle Gewalt sagen zu können.

Wer A sagt, muss auch B sagen: Wer Pädokriminalität verniedlichende Redner einlädt, der unterstützt Pädokriminalität. Meinungsfreiheit hin oder her. Wir haben unsere Werte, die nicht beliebig verhandelbar sind, nur weil einige AfD-Abgeordnete sich im Lichte eines Super-Blogger-Stars aus den USA sonnen möchten.

Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist;
weiß ich, womit du dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.
(Goethe)

 

 

 

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