Anetta Kahane und wie man den „Antifaschistischen Schutzwall“ in die Köpfe pflanzt

von: Ao Krippner [Tertium datur]

Anetta Kahane und wie man den „Antifaschistischen Schutzwall“ in die Köpfe pflanzt

oder: niemand kann wider seine Natur.

 

Ein Skorpion will einen Fluss überqueren, kann aber nicht schwimmen. Da kommt ein Frosch vorbei. Der Skorpion fragt den Frosch, ob er ihn nicht ans andere Ufer bringen könne. Der Frosch sagt:

 

„Nein, das tu ich nicht, denn dann wirst Du mich in der Mitte des Flusses stechen und wir ertrinken beide“.

 

„Aber das ist doch nicht vernünftig“, antwortet der Skorpion, „dann würden wir doch beide sterben. Sei versichert, ich steche dich nicht“.

 

Der Frosch lässt sich überreden, der Skorpion klettert auf seinen Rücken und beide schwimmen los. In der Mitte des Flusses sticht der Skorpion den Frosch in den Rücken.

 

„Was hast du getan! Wieso hast du mich gestochen? Das ist doch nicht vernünftig, jetzt ertrinken wir beide!“

 

Der Skorpion antwortet ihm:

 

“Ja, was soll ich machen? Das ist nun mal mein Charakter und meine Natur!

 

 

Die Biographie der Anetta Kahane liest sich wie die Bilderbuch-Vita einer tief im DDR-Regime verwurzelten Tochter des Sozialismus. Stationen ihrer Kindheit führten sie unter anderem nach Delhi, Indien, und nach Rio de Janeira, Brasilien, wo ihr Vater als Auslandskorrespondent für das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands Neues Deutschland arbeitete.

Dass Kahane damit zu den Privilegierten gehörte, liegt auf der Hand. Im Alter von 19 Jahren, also im Jahr 1974, wurde sie Informelle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit, nachdem sie zum gescheiterten Fluchtversuch eines Freundes verhört wurde. In den Anfangsmonaten ihrer Tätigkeit musste sie belastend über Freunde und Studienkollegen berichten. Sie tat es. Wie gut sie es tat, zeigt der Umstand, dass sie bereits 1979 wiederum die Erlaubnise bekam, nach Westafrika und Mosambik zu reisen, um dort für das DDR-Regime weiterzuwirken.

Nun gesteht man jedem Menschen zu, dass er irgendwann in seinem Leben Fehler erkennt. Der Bruch der Kooperation mit dem Regime und der Staatssicherheit zeichnet sich ca. im Jahr 1982 ab, immerhin also nahezu 20 Jahre nachdem Kahane damit begonnen hatte, Vertrauen zu missbrauchen, Freunde ans Messer zu liefern, Kontrolle bis ins Intimste zuzulassen und insgesamt wie kaum jemand Anderer am Apparat DDR zu partizipieren.

Kahane war jahrelang Propagandistin des sog. Auslandskaders, der die Idee des Sozialismus in die Welt hinaus getragen hatte. 1986 dann stellte Kahane einen Ausreiseantrag in die BRD. Man kann hier nur vermuten, was diesen Wunsch geleitet hat. Meine Vermutung ist es, dass sie nach all den Jahren Freiheiten und gleichzeitigem Verrat von Menschen, die ihr, der „Weltoffenen“ vertrauten, nicht damit zurecht kam, dass ihr das Regime, dem sie treu diente, nurmehr dieselben Freiheiten zubillige wie allen anderen DDR-Bürgern: nämlich so gut wie keine. Die DDR zeigte sich ihr, der wackeren Parteisoldatin, gegenüber als undankbar und misstrauisch. Eine tiefe persönliche Kränkung.

In den Augen Vieler, die Kahane wohlwollend gegenüberstehen, ist dieser radikale Bruch mit der DDR ein Zeichen dafür, dass Erkenntnis einsetzte. Kahane wird von ihnen als Missbrauchte verstanden und als Eine, die aus ihren Irrtümern gelernt hat und sich nun, mit dieser Erkenntnis, für das Gute einsetzt.

Ich als Westdeutsche frage mich natürlich, wie es kommen konnte, dass man einer derart zerrissenen Persönlichkeit schließlich im wiedervereinigten Deutschland solch ein Podium geben kann, dass man sie subventioniert, unterstützt und – ohne ihren Werdegang und ihre Persönlichkeit und Integrität je in Frage zu stellen oder zu hinterfragen – zur Kämpferin für „das Gute“ macht, also „das Gute“, das Kahane mit der Überschrift „Kampf gegen den Rechtsextremismus“ versieht.

Würde eine Person mit dieser Biographie nun zu der Erkenntnis gelangt sein, dass es sich – auch und vor allem aufgrund eigener Erfahrungen, Irrtümer und Verfehlungen – lohnt, gegen Extremismus insgesamt ins Feld zu ziehen, dann hätte sie sicherlich sehr viele Menschen auf ihrer Seite. Würde Kahane reflektiert ihre eigene Vergangenheit als Beispiel dafür, wie Menschen vereinnahmt und instrumentalisiert werden können, darlegen, so träte nicht dieses tiefe öffentliche Misstrauen gegen sie ein.

So aber ist es nachgerade paradox, einen Menschen, der kein Beispiel für Umkehr und Erkenntnis ist, mit Aufgaben zu versehen und mit horrenden staatlichen Mitteln auszustatten.

Der „Antifaschistische Schutzwall“ war ein Propagandabgriff, der sich nicht wirklich gegen den Nationalsozialismus und die Zeit des Dritten Reiches stellte, sondern gegen alles und jeden, der Abweichler, Kritiker und eben nicht dem DDR-Regime und seiner Ideologie entsprechend war.

Kahane setzt keinen Wall gegen den Rechtsextremismus, sondern führt das ideologisch durchtränkte Programm, mit dem sie sozialisiert wurde, fort. Eine Person wie Kahane verbuche ich in der Spalte all jener, die zwar erkannten, dass die DDR so, wie sie sich auslebte, scheitern musste, aber die meiner Wahrnehmung nie aufgegeben haben, eine „bessere DDR“ für nötig und möglich zu halten.

Als eine Frau, die damit aufwuchs, dass das Freie Wort ein hohes Gut ist und die sich stets gegen autoritäre Persönlichkeiten, die sich nicht durch Vorbild hervortaten, wehrte, spüre ich das Ungute, das durch solch eine spalterische Tätigkeit wie die der Anetta Kahane begünstigt wird, überdeutlich.

Ich fühlte, dass Kahanes „Kampf gegen Rechtsextremismus“ sehr viel zu tun hat mit dem Begriff des „Antifaschistischen Schutzwalls“, der sich gegen alles richtete, was die freie Entfaltung eines Menschen ausmacht.

Die DDR wirkt nach und setzt sich durch die Agitation von Menschen wie Kahane wie Pilzsporen in den Köpfen fest. Ich nehme intuitiv wahr, dass es nicht darum geht, was durch Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung vordergründig transportiert und angemahnt wird, sondern dass das Programm der DDR weiterzulaufen scheint. Diesmal „besser, bunter“ und vermeintlich „weltoffener“. Aber auch dies ist nur die Makulatur über dem Hintergrundrauschen, das für mich in seiner Tonlage deutlich vernehmbar ist.

Tagesaktuell also verwehrt Kahane Pressevertretern und Wissenschaftlern den Bericht von einer heute stattfindenden und wiederum staatlich subventionierten Veranstaltung der Amadeu Antonio Stiftung.

Jedem freien Menschen in diesem Land muss es ein Anliegen sein, jemandem, der abermals mit den „Segnungen“ einer Regierung ausgestattet und privilegiert wird, immer wieder deutlich aufzuzeigen, dass diesem vehementen und nachhaltigen Unterminieren dessen, was wir als Freie Gesellschaft bezeichnen, kein Raum mehr gewährt wird.

Es ist keiner davon ausgenommen, die eigenen Lebenslügen wahrnehmen zu müssen und sie fortzusetzen oder aber zu korrigieren.

Kahane ist und bleibt untragbar, weil das politische Klima auch durch sie leidet. Die Sozialisation der Anetta Kahane hat sich tief eingegraben. Ich möchte nicht, dass sich das Gewebe der Gesellschaft, die zukünftig unser Land gestalten wird, durch diese Prägung die maroden und restriktiven Fäden des DDR-Regimes einweben lässt.

Wer Kahane für untragbar und unerträglich hält, bricht keinesfalls eine Lanze für „Extremrechts“. Im Gegenteil. Diese Frau hat ihre Parteigänger, die in der Regel sehr extrem sind. Darin aber ist Kahane jedoch auch nur ein Player, der dieses extreme Lager füttert und und die Meinung jedes konservativen und/oder liberalen Menschen gleichsam zu beseitigen gedenkt. Sie ist eine Schnittstelle für ganz links. Die Protagonisten dieses Klimas sitzen aber überall und auf allen Seiten. Und die von »rechts« wollen das Klima ebenfalls nur zu ihren Gunsten drehen.

Es bleibt:

Niemand kann wider seine Natur: Kahane nicht. Aber ich auch nicht.

 

 

 

 

Bitte folge und like uns:
0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.