Bayern-AfD-Operette: MdL Bergmüller stellt Mitgliedsantrag

von: Redaktion [Tertium datur]

Irgendwie bewundern wir ja die bayerischen Medien: die Süddeutsche, den BR, den Münchner Merkur. Die Berichterstattung, die derzeit über die bayerische AfD und vor allem die Landtagsfraktion unter der Leitung von Katrin Ebner-Steiner dort zu finden ist, klingt doch seriös, frei von satirischem Zungenschlag und nicht ganz so chaotisch, wie sich die Partei im Freistaat letztlich zeigt.

Das mag vielleicht daran liegen, dass die hiesige Presse bestens mit Parteiinterna ausgestattet wird. Aus erster Hand, versteht sich: mal lanciert der Landesvorsitzende Martin Sichert etwas an die Süddeutsche Zeitung, was er erst anderntags per Rundschreiben den geneigten AfD-Mitgliedern zur gefälligen Kenntnisnahme überreicht (wir werden darüber berichten), mal ist es eine Gruppe von Dissidenten innerhalb der AfD-Fraktion, die in höchster Not Informationen an die Presse „durchsticht“.

Heute sind es also mal wir, die wir ein weiteres Notenblatt dieser AfD-Operette kurz nach der Komposition überreicht bekommen.

Franz Bergmüller, Mitglied des bayrischen Landtages, Mitglied der AfD-Fraktion daselbst, beantragte gestern die AfD-Mitgliedschaft.

Sie reiben sich die Augen? Ein vom AfD-Listenparteitag als Spitzenkandidat gewählter Abgeordneter beantragt mehr als ein halbes Jahr nach der Landtagswahl die Mitgliedschaft in der Partei, für die er im Landtag sitzt?

Wenn Sie also den Überblick über die aktuellen Szenen, Akte und die Dramaturgie dieser Operette im Maximilianeum verloren haben: stören Sie sich nicht daran. Klatschen Sie einfach begeistert Beifall, jubeln Sie, bedenken Sie die Politiker-Darsteller mit Zwischenapplaus und bekräftigen Sie möglichst als User in den Social Media, dass doch alles nur „zur Rettung unserer schönen Heimat“ geschieht und dass es für diese Inszenierung von „alternativer Politik“ freilich niemals nicht* eine Alternative zur Alternative gibt.

(* die typisch bayrische doppelte Verneinung ist hier noch das am wenigsten Verwirrende)

Wir stellen Ihnen die Protagonisten dieses Geschehens vor, da diese Ihnen in weiteren unserer Artikel (wie auch in vorangegangenen) begegnen werden.

Zunächst:

Katrin Ebner-Steiner

Katrin Ebner-Steiner, stellvertretende Landesvorsitzende ohne Ambitionen zur Wiederwahl, Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag, Tatverdächtige innerhalb eines Ermittlungsverfahrens (Verletzung von Persönlichkeitsrechten gegenüber anderen Fraktionsmitgliedern – wir berichteten), Scharfrichterin und Inquisitorin mit der Agenda, Abtrünnige und Andersdenkende aus der Fraktion auszuschließen (der BR berichtete: hier), Höcke-Fan-Girl und Flügel-Statthalterin zu Bayern (Zitat: „Nach dem kürzlichen Rückzug von Raimund Swoboda aus der Fraktion und aus der Partei hat sich Bergmüller in Presseinterviews öffentlich mit dessen abwegigen Vorwürfen solidarisiert und der AfD ein Abdriften nach rechts unterstellt.“ und „“Wir setzen weiter unser Wahlprogramm Schritt für Schritt um, deshalb bedarf es auch keiner politischen Kursänderung.“).

Hier sehen wir Ebner-Steiner bei ihrem hoheitlichen Auftrag, Deutschland zu retten. Es werden weder Kosten (die Kostümierung wurde aus der Fraktionskasse bezahlt) noch Mühen (man lässt sich für jede Mission vom eigenen Chaffeur in der vom bayrischen Landtag der Fraktionsvorsitzenden gestellten Limousine kutschieren) gescheut, um den Mädchentraum, einmal zum „Who is Who“ zu gehören, zu erfüllen. Nebenbei wird dann vielleicht auch noch Politik gemacht, so es die ohnehin knappe Zeit zulässt.

Der Landesparteitag zur Fastnachtzeit in Greding durfte sich immerhin über ein kurzes, einstündiges Gastspiel Ebner-Steiners freuen – mutmaßlich, um sich dem gemeinen Parteivolk zu zeigen und die Fingerspitzen zur Huldigung zu reichen -, bevor sie zu gesellschaftlichen Verpflichtungen, die von Fotoshootings, Maskenbildner und Kostümproben umrankt wurden, wieder abrauschte.

Hintersinnig und feingeistig wie Ebner-Steiner nunmal (nicht) ist, engagierte sie eigens für diese Mission Robin Hood und dachte sich die Rolle der Maid Marian zu. Wer sich in den Weg stellt, fehlt am Ende dieser Szene. So das Ebner-Steiner-Drehbuch. Zumindest theoretisch.

Hier also der

Hochadel der bayerischen Landespolitik:

Fotoshooting statt Landesparteitag: man/Frau setzt Prioritäten

Robin und Marian (links!) bei der Mission „Deutschlandrettung“

(Screenshots: Facebook Ebner-Steiner)

Franz Bergmüller

Nun also zum Stein des Anstoßes: Franz Bergmüller.

Das also ist der AfD-Mitgliedsausweis des Franz Bergmüller, wie ihn der Münchner Merkur im letzten Jahr ablichtete. Stören Sie sich bitte nicht am äußeren Zustand des Corpus delicti: Politik ist ein dreckiges Geschäft.

Links im Bild: die Hand Bergmüllers, anscheinend noch nicht in Unschuld gewaschen. Rechts im Bild: fehlt. Also die Ecke mit dem Datum des Beginns der AfD-Mitgliedschaft fehlt. Dieses Fehlen ist natürlich rein zufällig. Vermutlich ist dieser Teil der Karte beim Eiskratzen an der Windschutzscheibe von Ebner-Steiners Landtagslimousine abgebrochen, weil Bergmüller sicherstellen wollte, dass diese rechtzeitig bei ihren Kostümfesten und Mantel- und Degeninszenierungen ankommt.

Ob nun Franz Bergmüller (und darum geht es) AfD-Mitglied ist oder ob er es nicht ist, wissen die Götter, aber sagen es nicht, weil sie mittlerweile damit gut beschäftigt sind, sich die Augen und Ohren zuzuhalten ob des Schauspiels und Desasters in der AfD Bayern.

Wir gehen davon aus: Bergmüller weiß es auch nicht so genau.

Zunächst förderndes Mitglied der AfD, da noch Mitglied in einer anderen Partei. Dann per Mausklick (Mausklick, der: ein AfD-typisches Phänomen, wie … siehe auch: mausgerutscht) zum Vollmitglied geklickt, mutmaßlich im Zustand einer Parteien-Doppelmitgliedschaft.

Da Bergmüller nun als Gastwirt einer mittlerweile in die Jahre gekommenen Landkneipe etwas vom Vom-Tisch-Wischen versteht, macht er mit den gestrigen Mitgliedsantrag nun endgültig Tabula Rasa, denn es steht außerdem zu vermuten, dass es ihm um Ebner-Steiners Job geht. Also nicht jenen Job der Maid Marian, hat doch die Kostümprobe  ergeben, dass ihm das enge Korsett der Ebnerin zu eng ist und die Verbindungen nach Thüringen zu Fürst Björn dem Ersten (und vielleicht auch bald gemäß Aufruf „Der Hundert“) und dem Letzen außerdem.

Nun ist es also an der Ebnerin selbst und dem Landesvorsitzenden Martin Sichert, ein für alle Male festzustellen, ob der Bergmüller „drin oder draußen“ ist. Frei nach Kir Royal:

Wer reinkommt, is drin.

 

Wer drin is,

sog i.

Screenshot aus Bayern-Depesche, nicht aus der Apothekenumschau.

Rechts im Bild: keine Zahnarztgattin

Links im Bild: Zahnarztgattin mit Dauerlächeln

Nicht im Bild: Zahnarzt, der zu einer Problem-Wurzelbehandlung befähigt wäre.

 

Martin Sichert

Bundestagsabgeordneter, Landesvorsitzender der AfD Bayern, AfD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl (Ja, Sie lesen richtig: immerhin war er es, der mangels Vorzeigbarkeit der tatsächlichen Landtagskandidaten sämtliche TV-Duelle bestritt). Ebner-Kampfesgenosse oder -Feind oder nur Opportunist „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“? Nix Genaues is net gwiss.

Jedenfalls tourt Sichert einstweilen fröhlich durch die bayerischen Kreisverbände, begleitet vom mediokren MdB Protschka, dessen Ambitionen, Laiendarsteller und schäbige Kopie des FJS (Gott hab unseren seligen König FJS selig) sein zu wollen, häufiger als zu ertragen innerhalb Bundestagsreden mit Gänsehaut und Fremdschämfaktor 100 im Bundestag zu bewundern sind.

Ja, es geht um Wiederwahl und um die Bestätigung eines erneuten Mandats für Beide. Und da legt man dann also die Besuche in die Niederungen des gemeinen Volks eher zum Amtsende hin als zu Beginn. (Zu Beginn hieße, man wolle ja politisch wirken. Zum Ende hin heißt: „Ihr dürft uns wieder einmal anfassen. Dann wählt uns auch!“ Wozu sonst gibt es das AfD-Mitglied in den Kreisverbänden?)

Wie auch immer:

Sichert ist die Rolle der tragischen Figur zugedacht. Versucht er doch, nicht zwischen die Fronten zu kommen, um dieses Drama schadlos zu überstehen. Im Falle Sicherts allerdings hat der Drehbuchautor den Charakter eher „schleifen lassen“ und nicht hinlänglich ausgebaut. Sichert wirkt blass, fast unsichtbar. Sein Bemühen jedoch, den Anschein zu geben, er habe sowohl den Landesverband als auch das Desaster innerhalb der Fraktion im Griff, ringt uns doch einen höflichen Szenenapplaus ab. Hier zeigt Sichert eine ganz passable schauspielerische Leistung. Wohlgemerkt: schauspielerische Leistung.

Es steht nun also abzuwarten, ob Bergmüller endlich Mitglied wird.

Weiterhin sehen wir den weiteren Ereignissen erwartungsfroh entgegen. So zum Beispiel der spannenden Frage, ob es die AfD-Fraktion im Landtag nun zerlegen wird und Sichert ausrufen kann: „Liebe Freunde! Völkische! Schaut auf diese Fraktion! Schaut auf unseren Landesverband! Und erkennt, dass Ihr unsere polititsche Mission nicht preisgeben dürft!“ So in etwa steht es wohl im Drehbuch. Wir hingegen sehen die AfD-Mitglieder schon müde lächeln, denn ein bissl mehr Kreativität in der Ausschmückung von Phrasen darf es schon sein.

Um es kurz zu machen…

egal nun, ob der Bergmüller Mitglied werden wird oder ob diese Frage bis in den nächsten Akt dieser AfD-Operette hineingewirkt werden wird:

Als Kenner von Operetten und insbesondere der AfD-Inszenierungen sind wir, als fach- und sachkundiges Publikum und als beschlagene Kritiker solcher Darstellungen, der Meinung:

es ist an der Zeit, das gesamte Ensemble auszutauschen. Wir sind für Neubesetzung der Rollen Sichert, Ebner-Steiner und Bergmüller.

(In einem separaten Artikel berichten wir von der Szene „Wie der Sichert Martin den Abwahlantrag für die eigene Abwahl abwählte“)

Dann kann aus einem Slapstick doch noch wenigstens eine Operette* werden. Mehr als das (*) erwarten wir ja nicht.

Das Publikum wird’s danken.

Selbstverständlich bleiben wir weiter am Ball und berichten vom nächsten Aufzug des Stücks:

„Wie die Ebnerin, der Bergmüller Franz und Sicherts Martl gemeinsam unser Deutschland retten“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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