„Der Ewige Antisemit – Die Geschichte einer unerwiderten Liebe“ (Filmtipp)

«Und ich weiß auch nicht, wieso dieses Thema bis heute ein Thema sein muss. Umso mehr ärgert es mich, dass es in Wahrheit die Mehrheit der Menschen gar nicht interessiert. Antisemitismus wird wahrgenommen als ein lästiges Thema, das man im Zweifel zu Gedenktagen abarbeiten muss.»

Joachim Schroeder, Regisseur und Prozent, zu seinem Film.

Filmtipp von: Ao Krippner [TERTIUM DATUR]

Der ewige Antisemit“ (Untertitel: Die Geschichte einer unerwiderten Liebe) ist ein Dokumentarfilm des Regisseurs und Produzenten Joachim Schroeder und des Journalisten und Publizisten Henryk M. Broder. Der Film entstand im Jahr 2017 parallel zum kontrovers in den Medien und in der Öffentlichkeit diskutierten Werk Schroeders „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Die Erstausstrahlung der als Roadmovie angelegten Dokumentation war am 8. November 2017 im Bayerischen Fernsehen. Der Film und der Filmtitel gehen zurück auf das 1986 veröffentlichte Buch Der ewige Antisemit von Henryk M. Broder. Darsteller sind unter anderem Henryk M. Broder, der niederländische Schriftsteller und Filmemacher Leon de Winter, der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel-Samad und Schroeder selbst.

Henryk M. Broder begibt sich auf eine Reise von Dresden über Paris bis hinauf nach Malmö in Schweden. Ziel seiner Autoreise ist eine Bestandsaufnahme des heutigen jüdischen Lebens in Europa. Dabei stellt er sich und den Menschen, die ihn dabei begleiten und die er unterwegs trifft und aufsucht, unter anderem die Grundsatzfrage nach dem Ursprung der Judenfeindlichkeit und des Antizionismus nd spricht auch darüber, was die aktuelle Zuwanderung aus muslimischen Ländern für die jüdische Kultur in Europa bedeutet. Begleitet wird er dabei von seinen langjährigen Freunden Leon de Winter und Hamed Abdel-Samad.

Mir liegt diese Dokumentation sehr am Herzen und ich empfehle sie unbedingt. Es erschien mir außerdem wichtig, der Doku einen Wikipedia-Artikel zu widmen, aus dem ich hier auszugsweise zitiere. Nicht zuletzt, weil die Doku Der ewige Antisemit parallel zum Film Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa entstanden ist, möchte ich auf diesen Film hinweisen. Der Film versteht nicht als Bestandsaufnahme, sondern als eine Momentaufnahme jüdischen Lebens in Europa. Von der Jüdischen Allgemeinen danach gefragt, warum der Film im Bayerischen Fernsehen gesendet würde und nicht beispielsweise auf dem Sender Arte, der, gemeinsam mit dem WDR, Schroeders vorangegangene Reportage über Antisemitismus wegen angeblicher Einseitigkeit jüngst nicht habe senden wollen, entgegnet Broder: „Bei Arte würde ich nicht mal meine alten Teebeutel entsorgen. Der Bayerische Rundfunk (BR) ist eine andere Nummer. Die haben uns machen lassen.“

Die Dokumentation ist in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks nicht mehr abrufbar. Er wurde in den gängigen Medien nicht besprochen, beziehungsweise rezensiert. Eine ähnlich kontroverse Debatte wie zum Film Auserwählt und ausgegrenzt in der Öffentlichkeit fand zu dieser themengleichen Dokumentation nicht statt. Der Film fand in der Presse keine Erwähnung. Ein weiterer Grund für mich, ihn auf unseren Seiten dringend zu empfehlen und auch eine Motivation für mich, den Wikipedia-Artikel geschrieben zu haben.

Henryk M. Broder spielt ebenfalls im ersten Kinofilm Schroeders, Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick!, der im Frühjahr 2019 erscheint, in der Rolle eines Journalisten mit.

Zitate aus dem Film:

«Unser Film hat nur 90 Minuten. Ich kann es aber in einem Satz sagen. Der Antisemitismus und der Antizionismus ist Teil der europäischen DNA. Es gab ihn immer, es gibt ihn immer noch und es wird ihn weiter geben. Er wechselt nur sein Kostüm.»

(Henryk M. Broder, aus einem Interview zum Film)


«Wäre ich ein Pferd, würde ich über Pferde schreiben. Weil ich aber ein Jude bin, schreibe ich über Juden.»

Leon de Winter

«Es ist schon komisch: da sitzen zwei Juden an einem Tisch in Dresden und reden darüber, wie schade es ist, dass Deutschland sich aufgegeben hat. […] Ist doch völlig absurd. Haben wir gekifft oder was?»

Broder zu Leon de Winter

«Weite Teile des progressiven politischen Milieus sind verseucht. Ich glaube, Du triffst wirklich auf dem Parteitag der Linken prozentual mehr Antisemiten an als auf dem Oktoberfest.»

Broder zu Schroeder auf der Weiterfahrt nach der Podiumsdiskussion in Hildesheim, Zitat im Film.

«Was ich heute gelernt habe, ist: es gibt Antisemitismus, aber er ist weniger geworden. Weil die Juden entweder auswandern oder ihren Davidstern verstecken und sich nicht als Juden zeigen. Gott sei Dank!»

Abdel-Samad zynisch auf der Heimreise aus Malmö, Zitat im Film.

«In einem Land, in dem man keine Mühe hatte zu bestimmen, was ein Jude ist, tut man sich schwer damit, Antisemitismus zu erkennen. Man kann es nicht. Oder man will nicht.

Broder im Film, nach dem Besuch der Podiumsdiskussio

«Was haben unsere Eltern und Ahnen dieses Europa geliebt. Das bürgerliche Ideal. Es hat wenige Gruppen gegeben, die mit so viel Hingabe das umarmt haben, als im frühen 19. Jahrhundert die Türen von den Ghettos geöffnet wurden, wie besessen, wie unglaublich hungrig. Ich glaube, wir erleben gerade die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa. Es war eigentlich eine nie beantwortete Liebe. Ich denke, in vierzig, fünfzig Jahren gibt es eigentlich keine Juden mehr in Europa.»

Leon de Winter

«Und ich weiß auch nicht, wieso dieses Thema bis heute ein Thema sein muss. Umso mehr ärgert es mich, dass es in Wahrheit die Mehrheit der Menschen gar nicht interessiert. Antisemitismus wird wahrgenommen als ein lästiges Thema, das man im Zweifel zu Gedenktagen abarbeiten muss.»

Joachim Schroeder zum Film.
Bitte folge und like uns:
error0

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.