»Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude« – Arye Sharuz Shalicar: Kurzportrait und Buchempfehlung

Buchempfehlung und Kurzportrait

von: Ao Krippner [Tertium datur]

Arye Sharuz Shalicar

Von einem, der auszog, um seine Identität auszufüllen und sich darin zu verwurzeln.

„Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ ist die „Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde“. Aber von diesem Buch soll meine Buchempfehlung eigentlich gar nicht handeln, zumal das Erstlingswerk von Arye Sharuz Shalicar vergriffen ist.

Eigentlich hatte ich sein zweites Buch empfehlen wollen, weil es mir wichtig erscheint. Zumal aus der Feder eines, der das, wovon er schreibt, persönlich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und Wahrnehmungen heraus erlebt hat.

Shalicar ist ein Kaleidoskop, durch das man viele gesellschaftliche und politische Themen betrachten kann bzw. geradezu betrachten muss, die Deutschland und die Deutschen unbedingt bis zum heutigen Tage angehen müssen. So beschäftigt er sich in seinem aktuellen Buch mit einem Thema, welches Deutschland elektrisieren sollte:

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Geboren wurde Shalicar 1977 in Göttingen. Seine Eltern sind iranische Juden, die in den 1970er Jahren aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen waren. Der Grund: Antisemitismus. Die Familie Shalicar lebte in Berlin-Spandau und erzog ihren Sohn Arye sekulär. Bewusst wurde ihm seine jüdische Abstammung erst durch einen Umzug in den Wedding, der ihn mit einem sehr hohen muslimischen Bevölkerungsanteil und vor allem dadurch mit antisemitischen Hass konfrontierte, zu dessen Zielscheibe Arye wurde. (siehe: Auszug aus seinem Buch am Ende des Artikels)

Seine Zeit in Jugend-Gangs und in der Hiphop- und Graffiti-Szene beendete er mit dem Abitur im Jahr 1997 und dem anschließenden Grundwehrdienst in einer Sanitätseinheit der Bundeswehr. Im Anschluss daran begann Arye ein Studium der Politikwissenschaft, der Jüdischen Studien und der Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin.

Bereits im Jahr 2001 wanderte er nach Israel aus. Um, wie er sagt, „ein Leben der Zugehörigkeit zu führen, ein Leben ohne schiefe Blicke, ein Leben als Jude“. In Israel setzte er sein politikwissenschaftliches Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem fort, das er 2006 mit einem Bachelor abschloss. Anschließend erwarb er 2009 einen Master in European Studies.

Bereits seit 2006 war er für die Jewish Agency tätig und arbeitete auch für das Nahoststudio der ARD in Tel Aviv. Shalicar begann seinen Wehrdienst bei der israelischen Armee im Jahr 2001 bei einer Unterstützungseinheit der Fallschirmjägertruppe.

Von Oktober 2009 bis Anfang 2017 war er einer von vier Pressesprechern der israelischen Armee.

Seit 2017 arbeitet er im Ministerium für Nachrichtendienst in Jerusalem. Dort ist er heute Abteilungsleiter des Bereichs „Internationale Beziehungen“.

Erinnert daran, dass ich sein Buch Der neu-deutsche Antisemit: Gehören Juden heute zu Deutschland? Eine persönliche Analyse“ gleich nach der Erscheinung mit großem Interesse – und seinen persönlichen Erfahrungswerten bereichert – gelesen hatte,wurde ich heute bei Twitter durch ihn selbst, als er zu einem Aufmarsch der Partei „III. Weg“ twitterte:

Beide Bücher und auch die Berichte von Arye Sharuz Shalicar in den Social Media möchte ich den Lesern von Tertium datur sehr ans Herz legen.

Knapp 75 Jahre nach dem Ende des Holocaust müssen wir uns in Deutschland mit dem alten und dem neuen Antisemitismus beschäftigen. Was den Antisemtismus angeht, so kann sich niemand damit herausreden, dass wir nur „rechts bekämpfen“ müssten und schon seit das Problem gelöst.

Juden wie Arye Sharuz Shalicar, Henryk M. Broder und Leon de Winter (hier mein Filmtipp: Der Ewige Antisemit von Joe Schroeder) benennen alle Protagonisten offen und sprechen an, woher der neu-deutsche Antisemitismus kommt. So ist auch das Buch von Shalicar von unverblümter Offenheit und lokalisiert den „neu-deutschen“ Judenhass nicht nur auf muslimischer Seite, sondern darüber hinaus auch bei den deutschen Leitmedien, den linksradikalen und den rechtsradikalen Antisemitismus, den von Menschen, die ihren Judenhass als „Israel-Kritik“ verkleiden, den der Verschwörungstheoretiker, den Selbsthass der Juden, die noch immer fragen, welche Schuld ihnen aus dem Holocaust erwächst, den ganz alltäglichen – und auch den christlichen Antisemitismus.

Mein Fazit und meine Haltung:

Wer über Antisemitismus reden und diskutieren will, sollte zuerst mit Juden reden und diskutieren.

Dieses Buch gehört (nicht nur) in jeden Schulunterricht und allen Lehrern in die Hand gedrück, vor allem denjenigen, die immer nur über jüdisches Leben während der NS-Zeit reden und so tun, als ob es davor und danach jüdisches Leben in Deutschland kaum gab.

Zitat Leon de Winter aus dem Film „Der Ewige Antisemit“:

«Was haben unsere Eltern und Ahnen dieses Europa geliebt. Das bürgerliche Ideal. Es hat wenige Gruppen gegeben, die mit so viel Hingabe das umarmt haben, als im frühen 19. Jahrhundert die Türen von den Ghettos geöffnet wurden, wie besessen, wie unglaublich hungrig. Ich glaube, wir erleben gerade die letzte Phase der jüdischen Existenz in Europa. Es war eigentlich eine nie beantwortete Liebe. Ich denke, in vierzig, fünfzig Jahren gibt es eigentlich keine Juden mehr in Europa.»

Die Frage, die Shalicar mit seinem Buch aufwirft, lautet gemäß Untertitel: „Gehören Juden heute zu Deutschland?“ Die Bilanz des Buches ist ein „Ja, aber“. Das Aber dürfen wir Alle nicht akzeptieren!

Auswahl Rezensionen zum Buch:

„Eine authentische, persönliche Stimme! Und ein wichtiges, notwendiges Buch, um den neuen Antisemitismus zu verstehen.“
Ahmad Mansour, Psychologe und Bestsellerautor

 

„Judenhass zeigt sich immer offener im Netz, auf der Straße, in Schulen und anderenorts. Häufig tarnt er sich auch als Antizionismus. Shalicars neues Buch beschreibt dieses Phänomen kenntnisreich, authentisch und direkt – ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Debatte über neuen und alten Antisemitismus.“
Detlef David Kauschke, Chefredakteur der Jüdische Allgemeine

 

„Die Direktheit seiner Aussagen ist das Überzeugende an Shalicars Buch. Wo andere politisch korrekt um Probleme herumreden, scheut er nicht das klare Wort. […] Shalicar belässt es nicht bei der Darstellung der Misere (die in dieser Gründlichkeit allein schon verdienstvoll wäre), sondern offeriert Vorschläge zur Lösung des Problems.“
Jüdische Allgemeine, 12. Oktober 2018

 

 

„[…] ein inbrünstiger, oft emotionaler Appell an die deutsche Gesellschaft, Antisemitismus nicht als Relikt der Vergangenheit zu betrachten. Shalicar gewährt unangenehme Einsichten in ein Leben, das von antisemitischen Übergriffen geprägt ist.“
Der Tagesspiegel, 6. November 2018

 

 

Auszug aus dem Buch.

Auszug aus dem Kapitel „Aggressiver muslimischer Judenhass erobert deutsche Straßen“ aus dem Buch von Arye Sharuz Shalicar: Der neu-deutsche Antisemit. Gehören Juden heute zu Deutschland? Eine persönliche Analyse. Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig, 2018, S. 24–30.

„Ich wollte nie anders sein als meine Mitmenschen

Mir war schon als Grundschüler in Berlin Spandau klar, dass ich mit meinen tiefschwarzen Haaren und meiner dunklen Haut zu einer kleinen Gruppe von Deutschen gehörte, die einen Migrationshintergrund hatten. Von grob 30 Klassenkameraden auf der Konkordia-Grundschule am Elsflether Weg waren nicht mehr als fünf Kinder „dunkler Natur“. Vier von ihnen sprachen Türkisch mit ihren Eltern. Der Fünfte sprach Persisch zu Hause. Dieser Fünfte war ich.

Es war jedoch zwischen uns Zehnjährigen nie ein Gesprächsthema gewesen, wessen Eltern warum, wann, von wo nach Berlin gezogen sind und wer welche Sprache zu Hause spricht, welche Feiertage man hält – und vor allem nie Thema, wer welchen Gott anbetet.

Überhaupt ging es damals in erster Linie nur ums Fußballspielen. Auch in zweiter und dritter Linie. In den Jahren um die Weltmeisterschaft in Mexiko 1986 und Italien 1990 spielten wir jeden Tag Fußball. Wirklich jeden Tag. Kein Sturm, kein meterhoher Schneefall und keine Hitzewelle konnten uns vom Kicken abhalten. Es spielte absolut keine Rolle, wessen Eltern von wo stammen und wer eventuell noch mit einer zweiten Muttersprache aufgewachsen ist.

Das Wort „Religion“ existierte für mich und meine Freunde weder in der Theorie noch in der praktischen Ausübung. Religion war eine Sache der Vergangenheit, des Mittelalters, und hatte Ende der 1980er Jahre in der modernen Gesellschaft keinen Platz mehr.

Deutschland war für mich ein areligiöses Land. Selbst die christlichen Feiertage der Deutschen, insbesondere Ostern und Weihnachten, hatten für mich nichts mit Religion zu tun. Es waren Feste, mit denen jeder Bürger Deutschlands sich identifizieren konnte, und auch ich forderte und bekam Geschenke zu Weihnachten, auch wenn meine Eltern versuchten, mir zu vermitteln, dass „wir“ andere Feste haben. Ich verstand unter „wir“ „wir Perser“, nicht „wir Juden“. Was hatte ich schon mit dem Judentum und dem jüdischen Volk zu tun?

Ich wusste, dass wir Juden sind. Es interessierte mich jedoch nicht die Bohne.

Wir hatten keine jüdischen Symbole in der Wohnung, sprachen weder Hebräisch noch Jiddisch, gingen nicht in die Synagoge und hatten nicht einen jüdischen Bekannten weit und breit.

Was hatte ich mit dem jüdischen Staat zu tun? Fast genauso viel bzw. wenig wie z.B. mit Italien. Schönes Meer, warmes Klima, leckeres Essen – Israel war für mich von Italien kaum zu unterscheiden. Beide Länder besuchten wir in den Sommerferien. Einen Unterschied stellte ich jedoch schon fest: In Israel lebten meine Großeltern und einige Geschwister meiner Eltern.

Einen gewissen Bezug zu Israel fühlte ich dann doch tief in mir.

Kurz vor dem Mauerfall 1989 zog es meine Eltern mit Sack und Pack in den Berliner Bezirk Wedding. Ich war damals 13 Jahre alt. Während andere jüdische Kinder in diesem Alter ihre Bar Mizwa feiern, musste ich mich in einer neuen Nachbarschaft zurechtfinden. Als allererstes erkundigte ich mich nach dem nächstgelegenen Fußballplatz, um meinem einzigen Hobby nachzugehen und um neue Freundschaften zu schließen. Auf einem kleinen Bolzplatz, wenige Minuten vom Gesundbrunnen entfernt, schoss ich dann wieder euphorisch den Ball vor mir her, und weil ich dies damals ziemlich gut konnte, kamen viele der Jugendlichen auf mich zu und waren an mir interessiert.

Im Gegensatz zu Spandau, wo ich Teil einer krassen Minderheit mit Migrationshintergrund war, waren fast alle um mich herum nun plötzlich Kinder von Einwanderern. 95 Prozent von ihnen hatten pechschwarzes Haar und teilweise eine noch dunklere Hautfarbe als ich. Sie sprachen größtenteils entweder Türkisch oder Arabisch. Sehr schnell musste ich feststellen, dass die Dinge anders liefen als in Spandau und ich anders war, zumindest in ihren Augen, obwohl ich nie anders sein wollte.

Ich wurde von jedem gefragt, ob ich Türke oder Araber sei, verbunden mit der direkten Anschlussfrage, ob ich Muslim wäre, so wie sie selbst. Ihr enormes Interesse an meiner nicht existierenden Religionszugehörigkeit verwunderte mich sehr.

Für meine Eltern war unser Umzug ein Upgrade. Aus einer 3-Zimmer-Wohnung am Rande Berlins mit kleiner Terrasse wurde eine 5,5-Zimmer-Duplex-Wohnung mit Garten. Für meine Eltern ein Schritt nach vorne. Für mich ein Schritt ins Mittelalter!

Ich hatte nicht den blassesten Schimmer, dass ich zum Bezirksfeind Nummer Eins werde würde, sobald ich mich als Jude „outete“.

Doch genau das war der Fall.

Mit 14 saß ich nach der Schule am U-Bahnhof Pankstraße im Herzen von Berlin-Wedding. Ich war noch relativ neu im Bezirk und hatte noch nicht so viele Freunde, aber Sahin, ein Deutschtürke, war einer von ihnen und saß an meiner Seite. Wir schrieben das Jahr 1991, fast ‚92, und es waren Tage der Annäherung zwischen den Palästinensern und den Israelis. Es waren die Tage der Osloer Friedensgespräche. Aber was hatte ich mit Israel und Oslo zu tun? Nichts!

Nur mit Palästinensern hatte ich enorm viel zu tun, denn sie stellten eine große Gruppe im Wedding dar und standen am U-Bahnhof Pankstraße plötzlich vor mir. Es waren etwa zehn Männer im Alter von 17 bis 20 Jahren. Ihr Anführer hielt eine Packung Erdbeeren in der Hand, baute sich vor mir auf und sagte mir im Befehlston: „Jude, mach den Mund auf!“ Ich war entsetzt. Auch Sahin wusste nicht, wie zu reagieren.

Kurz darauf schrie er mich erneut an: „Jude, mach dein dreckiges Maul auf!“ Ich hatte Angst und machte den Mund auf. Er stopfte mir eine Erdbeere in den Mund und sagte: „Friss Jude, friss!“ Ich spuckte sie aus und fragte, was das denn solle, was ich ihnen getan hätte? Von hinten kam ein anderer Palästinenser nach vorne, gab mir eine enorme Backpfeife und schrie mich an: „Jude, verpiss dich aus unserem Bezirk.“

Mein Kopf zerplatzte fast von der Wucht der Backpfeife. Der junge Mann war Amateurboxer. Ich fühlte mich öffentlich und vollkommen grundlos misshandelt und gedemütigt. Die Gruppe ging lachend weg. Es waren die Jungs der PLO-Gang.

Dieser Zwischenfall, jene langen Momente der öffentlichen Demütigung, haben mich sehr stark geprägt und begleiten mich bis zum heutigen Tag, 25 Jahre später, fast täglich.

Es war einer von Dutzenden, wenn nicht hunderten antisemitischen Zwischenfällen, denen ich in den darauffolgenden Jahren von Seiten junger aggressiver Muslime ausgesetzt war.

Judenhass war unter ihnen weit verbreitet. Es war eine Ausnahme, wenn ein junger Muslim den Juden gegenüber keine Vorurteile hatte und keinen tiefen Hass verspürte. Und das, obwohl keiner von ihnen je einem Juden über den Weg gelaufen ist. Ich war für sie alle der erste Jude, und manch einer war bereit, die Freundschaft mit mir zu kündigen, nur weil er es nicht mit sich ausmachen konnte, mit einem Juden befreundet zu sein.

In der 9. Klasse auf dem Diesterweg-Gymnasium an der Pankstraße saß ich im Unterricht neben meinem besten neuen Freund, einem Deutsch-Inder namens Mahavir. Er war für mich ein Deutsch-Inder genauso wie ich für ihn ein Deutsch-Iraner war. Wir verstanden uns wirklich ausgesprochen gut. Wie ein Bruder war er für mich, bis er mich im Deutschunterricht vollkommen überraschend und abgrundtief enttäuschte.

Wir lasen ein Buch, das zur Zeit der Naziherrschaft über Deutschland spielte. An einer bestimmten Stelle ging es um ein kleines jüdisches Mädchen, das sich vor den Nazis verstecken musste, um ihr Leben zu retten. Mahavir drehte sich zu mir um und flüsterte mir zu: „Alle Juden sollten getötet werden.“ Ich war schockiert und fragte ihn, wieso er denn so etwas sagen würde, woraufhin er mir antwortete: „Die Juden sind unsere Feinde.“ Daraufhin konnte ich nicht anders, weil ich wirklich nicht verstand, was er mit „unsere Feinde“ meinte, genauso wie ich damals nicht verstand, was meine Eltern mit „wir“ meinten, und fragte ihn: „Was meinst du mit ‚unsere Feinde‘?“

„Juden sind die Feinde von uns. Die Feinde von uns Muslimen.“

„Ich bin aber kein Muslim.“

„Wie, du bist kein Muslim? Natürlich bist du Muslim. Du bist doch Iraner.“

„Ja, meine Eltern stammen aus dem Iran. Sie sind jedoch keine Muslime, sondern Juden.“

„Das kann nicht sein. Du verarschst mich gerade. Es gibt keine iranischen Juden.“

„Oh doch. Ich bin Jude, und was du gerade gesagt hast, hat mich sehr enttäuscht.“

„Sharuz, hör auf zu spinnen. Du kannst kein Jude sein. Erstens, weil ich Juden aus der Ferne erkenne und zweitens, weil du mein Freund bist.“

„Ich werde es dir beweisen. Morgen.“

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie wir uns, falls überhaupt, an jenem Tag verabschiedeten. Ich ging niedergeschmettert nach Hause und setzte mir die goldene Davidsternkette um, die ich von meiner Großmutter bei unserem letzten Besuch in Israel geschenkt bekommen hatte. Es war ihr Geschenk zu meiner nie stattgefundenen Bar Mizwa.

Am nächsten Tag ging ich mit der Kette unter dem Pullover zur Schule, und als wir dann wieder nebeneinandersaßen, holte ich sie raus, hielt sie Mahavir vor seine Augen und sagte:

„Siehst du Mahavir, ich bin ein Jude.“

Ich konnte mitverfolgen, wie ihm das Herz in die Hose rutschte. Sein Gesichtsausdruck war die eines Menschen, der eine Leiche gesehen hatte. In jenem Moment, als ich ihm meinen Davidstern zeigte, begrub er unsere Freundschaft. Begrub er mich!

Er stammelte nur noch die folgenden Worte: „Du bist tatsächlich ein Jude. Ein echter Jude.“

Mahavir setzte sich um. Nie wieder sprach er mit mir. Wenige Monate später zogen seine Eltern mit ihm zurück nach Indien und ich sah ihn nie wieder.

Aber sein Gesichtsausdruck, als er meinen Anhänger zu Gesicht bekam, verlässt mich nicht. Es war ein bedeutender Moment, der für mich eine bittere Realität widerspiegelt. Es geht vielen Menschen, unter ihnen auch Muslime, nicht wirklich um den sogenannten Nahostkonflikt. Sie sind einfach voller Hass gegenüber den Juden erzogen worden. Wie sonst kann man sich rational erklären, dass ein 14-jähriger, in Deutschland geborener Junge, dessen Eltern aus Indien stammen, der Annahme ist, dass er Juden aus der Ferne erkennen kann und seinem besten Freund, einem Deutsch-Iraner, die Freundschaft kündigt, nur weil er Jude ist?“

 

 

 

 

 

 

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