„Freie Medien“ – für AfD-Sonnengötter nur ein Wort? Elsässer/Compact wird vom BuVo gemaßregelt

von: Ao Krippner [Tertium datur]

Vor drei Tagen schrieben wir einen Artikel über die Einladung, die uns von der AfD-Bundestagsfraktion zum „1. Kongress der Freien Medien“ in Berlin erreichte und die wir wohlbegründet ausschlugen.

Gerade nun begegnete mir bei Twitter ein Artikel des Compact-Magazins von Jürgen Elsässer.

Elsässer veranstaltet zu Pfingsten in Magdeburg eine „Geschichtskonferenz“, zu der unter anderem Gerd Schultze-Rhonhof, Jan von Flocken, Wolfgang Effenberger und die (Noch-)AfD-Politikerin Doris von Sayn-Wittgenstein als Referenten eingeladen sind.

Doris Sayn-Wittgenstein ist Landstagsabgeordnete in Schleswig-Holstein, mittlerweile fraktionslos, und war ehemalige Landessprecherin. Gegen Sayn-Wittgenstein läuft mittlerweile ein Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Parteiausschlusses. Erst jüngst sprach sie in Baden-Württemberg bei einer AfD-Veranstaltung, zu der Hardliner eingeladen hatten. Jörg Meuthen hatte dieses Treffen beim Landesparteitag Baden-Württemberg heftig kritisiert und angegriffen.

Ich gehe nicht näher darauf ein, was ich über Sayn-Wittgenstein denke. Auch kommentiere ich an dieser Stelle meine Meinung über Elsässer und seine Geschichtskonferenz nicht.

Vielmehr zitiere ich aus dem Schreiben, das Elsässer seitens des AfD-Bundesvorstandes erreichte, welches er in seinem Artikel veröffentlichte:

Der Bundesvorstand schätzt sowohl Ihre inhaltlichen Auslassungen als auch die Ankündigung, dass die ehemalige Vorsitzende des MD-Landesverbandes Schleswig-Holstein als Referentin auftreten soll, als unzulässige Einmischung in Partei-Angelegenheiten ein.
[…]

… ergreifen Sie aus Sicht des Bundesvorstandes mit Ihren Äußerungen aktiv „Partei in der Partei“ und versuchen auf diese Weise, offenbar zielgerichtet innerparteiliche Auseinandersetzungen zu verstärken, wenn nicht sogar zu steuern.

[…]

… Der Bundesvorstand der Alternative für Deutschland fordert Sie daher auf, dass Sie Frau Doris von Sayn-Wittgenstein nicht zu der von Ihnen angekündigten Geschichtskonferenz als Referentin einladen.

Dass der AfD-Bundesvorstand Elsässer ultimativ zur Beantwortung dieses Schreibens „bis zum 25.04.2019“ auffordert, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Im Kontext zum „1. Kongress der Freien Medien“ hat dies nicht nur ein Geschmäckle, sondern einen eindeutig ekelhaften Geschmack. Es steht für mich außer Frage, dass Elsässer nicht nur ein Medienschaffender ist, sondern dass er damit aktiv Einfluss auf das politische Geschehen nehmen will. Wer ihn über die Jahre beobachtet, weiß das. Mir gefällt weder sein Bestreben, noch gefällt mir seine politische Stoßrichtung.

Es ist jedoch festzustellen, dass das, was der AfD-Bundesvorstand hier lanciert, eine ungeheuerliche Anmaßung ist, die explizit für sich in Anspruch nimmt, die rechten und konservativen Medien, Blogger und Journalisten orchestrieren zu wollen und dies auch zu können.

Unsere Absage der Teilnahme am „Kongress Freier Medien“ bezeichneten wir noch vor drei Tagen als konsequent zuende gedachte Haltung, da wir aufgrund der gesamten politischen Lage der Überzeugung sind, dass es an der Zeit für unabhängige, freie Geister ist, die im Dienste von niemandem stehen, sich nicht vereinnahmen lassen und die keinesfalls  korrumpierbar sind.

Selbst wenn der Vorwurf an Elsässer zuträfe, dass er Einfluss auf die Partei nehmen will, so steht es der AfD und ihrem Bundesvorstand definitiv nicht zu, in sein Wirken einzugreifen. Hier zeigt sich mir ein enormer, autoritärer Machtwunsch, der möglicherweise noch innerparteilich geäußert, beansprucht und durchgesetzt werden kann, so sich Parteimitglieder, Funktionäre und Mandatsträger diesen Sonnengötter-Habitus bieten lassen.

Nicht nur an diesem Vorfall, den Elsässer zurecht einen Skandal nennt, zumal Ton und Absicht omnipotent daherkommen, zeigt sich mir, dass die gegenwärtigen AfD-Macher ihre Bodenhaftung komplett verloren haben und sich gänzlich überbewerten sowie ihren eigenen Gründungsgedanken verwerfen.

Jegliche Kritik an den von der AfD so bezeichneten „Systemmedien“, die sich der herrschenden Politik unterwerfen und anbieten, hat sich damit verwirkt.

Die AfD zeigt abermals, dass sie ein Glaubwürdigkeitsproblem hat.

Wer sich von den AfD-Mitgliedern, -funktionären und -Wähler darüber nicht empört, der leistet diesen selbstherrlichen Sonnengöttern vorschub und bereitet ihnen einen Sänfte, auf der sie durch ihre selbsterbauten Potemkinschen Dörfer getragen werden wollen.

Ich schließe mit Ovid:

Ich ermahne dich, Ikarus, dich auf mittlerer Bahn zu halten, damit nicht, wenn du zu tief gehst, die Wellen die Federn beschweren, und wenn du zu hoch fliegst, das Feuer sie versengt. Zwischen beiden fliege.

 

 

 

 

 

Bitte folge und like uns:
error0

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.