In Mauthausen wird wieder unter Flaggen marschiert …

von: Ao Krippner [Tertium datur]

Die Bilder des heutigen Tages sprechen für sich und rauben einem fast den Atem. So twitterte Julia Herr, Verbandsvorsitzende der marxistischen Sozialistischen Jugend Österreichs, Fotos vom Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen.

Ich lasse die Fotos und die Stimmung, die sie erzeugen, für sich selbst sprechen.

Generell halte ich jede Form der ideologischen, politischen und/oder parteipolitischen Demonstration an solch einem Ort für unangebracht. Eine fahnenschwingende Demonstration, in Reih‘ und Glied, und ein Bekenntnis zum Marxismus bzw. zum Sozialismus, das geradezu mit paramilitärischer Präzision und ebensolchem Habitus aufgeführt wird, ist an Niveaulosigkeit und Unsensibilität kaum zu unterbieten.

Ich halte es da mit Henryk M. Broder, der als Jude, dessen Eltern im Konzentrationslager interniert waren und die zu den Überlebenden gehörten, Beklemmungen angesichts des Konzentrationslager-Tourismus bekommt:

„Die sogenannte Erinnerungskultur besteht größtenteils aus Wohlfühlritualen für die Nachkommen der Täter, die sich selbst darin bestätigen, wie vorbildlich sie mit der Geschichte umgehen.“

Und:
„Die neuen Antisemiten verkleiden sich. Sie maskieren sich als Hüter der unterdrückten Palästinenser, als Friedensfreunde, als Nahost-Experten.“

Es liegt nahe, davon auszugehen, dass unter den SJÖ-Fahnenschwingern in Mauthausen viele Antisemiten und Israel-Gegner mitmarschierten, so, wie es naheliegt, davon auszugehen, dass Julia Herr und ihre Mitläufer [sic!] diese Gedenkveranstaltung zur Selbstinszenierung und nicht zum eigentlichen bewussten, nachdenklichen Gedenken an die Toten und Verfolgten von Mauthausen nutzen wollte.

Die von der SJÖ auf die Fahnen geschriebene Ideologie ist der große Bruder des diesen Sozialisten innewohnenden Antisemitismus und die große Schwester ideologischer Bekenntnisse, die mit ihrer Einseitigkeit und dem Wunsch nach Kollektivismus gerade in Mauthausen nichts verloren haben.

Während die deutschen jungen Sozialdemokraten wie Kevin Kühnert sich fast zeitgleich in  bester sozialistischer Tradition zur Vergesellschaftung des Eigentums der bürgerlichen Gesellschaft bekennen und diese fordern, so „vergesellschaftet“ Julia Herr mit dieser Vereinnahmung Mauthausens das Gedenken und stellt es unter die sozialistischen Flaggen im Rahmen eines sozialistischen Gleichschrittes ihrer Genossinnen und Genossen.

Mauthausen wurde zur Showbühne für einen Marsch der Unfreiheit des Individuums, wie ihn der Sozialismus vorgibt, und steht damit im krassen Widerspruch zum Mauthausen-Schwur:

[…] Wir werden immer gedenken, mit welch großen blutigen Opfern aller Nationen diese neue Welt erkämpft wurde. Im Gedenken an das vergossene Blut aller Völker, im Gedenken an die Millionen, durch den Nazifaschismus ermordeten Brüder geloben wir, daß wir diesen Weg nie verlassen werden. Auf den sicheren Grundlagen internationaler Gemeinschaft wollen wir das schönste Denkmal, das wir den gefallenen Soldaten der Freiheit setzen können, errichten: DIE WELT DES FREIEN MENSCHEN.
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Ein Kommentar

  • Heiko Kallweit

    Der Touristenrummel an Orten, in denen Menschen aus keinem Grund als dem ihrer menschlichen Existenz zusammen gepfercht wurden, um letztlich auf Ihre Ermordung zu warten, zeigt eine Seite des Menschen die wenig attraktiv ist. Des Menschen Neugierde hat ihn zum Mond fliegen lassen, die DNA entschlüsselt und das Innere der Sonne erforscht. Die gleiche „Neugierde“ macht Menschen vulgär, lässt sie gaffen wo andere sterben, Selfies vor den Baracken der Ermordeten Knipsen, Zigarettenstummel locker weg schnippen, wo Hunderttausende gequält wurden. Alles eine Frage der Erziehung.

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