„Kill me today, tomorrow I’m sick!“

Filmtipp von: Ao Krippner [Tertium datur]

 
„Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick!“ Ein Film von Joachim Schroeder und Tobias Streck

Seine Weltpremiere feierte der erste Spielfilm von den bereits prominent in der Öffentlichkeit erschienenen Filmemachern Joachim Schroeder und Tobias Streck im September 2018 beim Montreal World Film Festival in Montreal, wo er in der Kategorie First Fiction Films nominiert wurde. Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick! wurde mit dem Silver Zenith ausgezeichnet. Diesen ausgezeichneten Start bei einem solch renommierten Festival sowie die Tatsache, dass Schröder gerne „heiße Eisen“ (siehe auch: „Der ewige Antisemit“ sowie „Auserwählt und ausgegrenzt“) in der derzeit so mageren und stromlinienförmigen Medienlandschaft anfasst, möchte ich zum Anlass nehmen, meine unbedingte Empfehlung für diesen Film auszusprechen. Als Autorin bei Wikipedia habe ich dem Film dort einen Artikel gewidmet, aus dem ich auszugsweise zitiere:

Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick! ist eine deutsche Tragikomödie der Regisseure und Filmproduzenten Schröder und Streck aus dem Jahr 2018, die im Jahr 1999 auf dem Balkan spielt und „vom Menschsein und der Verblendung des satten Westens“ handelt.“ Die Handlung des Filmes beruht auf den Erlebnissen und dem Tagebuch von Schroeders Schwester Henriette, die von 1999 bis 2001 für die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) im Kosovo für den Aufbau unabhängiger Medien tätig war.

„Der Kinofilm spielt im Jahr 1999 in Pristina der Hauptstadt des Kosovo. Die NATO hat Serbien bombardiert und die Kosovo-Albaner feiern dies als „ihren“ Sieg über die serbischen Unterdrücker. Der Hass zwischen den Ethnien wütet noch immer. Die Internationale Gemeinschaft startet die größte und teuerste Hilfsaktion seit 1945 und schickt viele tausend Mitarbeiter aus, um die Region zu befrieden und wieder aufzubauen.

Anna, eine Mitarbeiterin eines Medienprojektes der Hilfsorganisation OSZE, ist hochmotiviert und stolz darauf, ihren Beitrag für einen demokratischen Wandel zu leisten, und geht in ihrer Arbeit voll auf. Nach ihrer anfänglichen Euphorie, Gutes tun zu können, muss sie jedoch schon bald entsetzt erkennen, dass viele ihrer Kollegen neurotisch, ignorant, unethisch, korrupt und gelangweilt von ihrer eigenen Mission sind. Commander Rhaci, der gefeierte vermeintliche kosovarische Freiheitskämpfer und Günstling des Westens, geriert sich wie ein Mafiaboss und beutet das Land aus.

Anna, die idealistische junge Deutsche, lernt den Glücksritter, Schieber und Charmeur Plaka kennen, der die „Internationals“ vor allem wegen ihres Geldes liebt und sich zunächst opportunistisch zeigt.

Anna muss erfahren, dass die Mitarbeiter der Hilfsorganisation, die eigentlich zur Erhaltung des Friedens und der Demokratie der Region ausgesandt wurden, dem Chaos scheinbar unberührt ihren Lauf lassen und mit ihren eigenen Interessen, Bedürfnissen, Angelegenheiten und Eitelkeiten beschäftigt sind. Anna stellt ernüchtert fest, dass, weil niemand die Organisationen und Mitarbeiter gewählt hat, sie keine Basis haben, gegenüber der sie sich ernsthaft verantworten müssten. Sie wechseln vom IRK zur WHO, vom WWF zum IWF, von der OSZE zur OECD und zurück. Der Krieg tobt indes auch im Frieden unaufhaltsam weiter. So wird der Einsatz für das Gute nicht nur für Anna zur Farce und zudem brandgefährlich.“

Der hervorragende und spritzige Film bricht mit vielen Tabus gebrochen und bringt Licht ins Dunkel der Ereignisse, die im Film mit viel Schwarzem Humor inszeniert werden. Anna stellt im Laufe der Zeit fest, dass sie die Institution betrügen muss, um Geld herausholen zu können und damit Gutes zu tun. Schroeder und Streck gewähren einen realistischen Blick auf die NGO und halten so der oft kritklosen Verklärung der Hilfsorganisationen einen Spiegel vor.

In vielen Szenen des Films wird nicht nur Deutsch und Englisch gesprochen, sondern auch Albanisch und Serbisch. Die Untertitel sind auf Deutsch. Das verleiht dem internationalen Geschehen einerseits eine hohe Authentizität, aber auch durch das geradezu babylonische Durcheinander eine Menge Komik.

Eigens für den Film wurden vom Komponisten und Musiker Robert Papst und seinem langjährigen Musikerfreund Hugo Siegmeth nahezu alle Musikstücke komponiert und aufgenommen, um aufgrund der Handlung rund um die Radiostation viele originalgetreue Songs verwenden zu können. Der Titelsong ist ein klassischer Rocksong, der neben anderen Stücken aus dem Film auf CD erscheinen soll.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt aufgrund eines Interviews mit Robert Papst:

„Mit den beiden Münchner Filmemachern Joachim Schröder und Tobias Streck hat der Grafinger Komponist schon öfter für Dokumentationen zusammengearbeitet. Sie haben „Kill me today“ produziert und auch Regie geführt, es ist ihr erster Spielfilm. „Ich glaube, dieser Umstand hat in Montreal schon Eindruck gemacht“, sagt Papst, der mächtig stolz ist auf diese Nominierung. „Bei einem der zwölf A-Festivals dabei zu sein, das ist schon ein Ritterschlag!“, sagt er.
Fest steht: „Kill me today“ ist Entertainment mit Tiefgang – aber auch ein polarisierender Film. „Der Kosovokrieg ist für viele immer noch ein Reizthema“, sagt Papst, deswegen sei auch die Finanzierung des Projektes nicht ganz einfach gewesen. Auf der anderen Seite bestehe bei einer bereits irgendwie verjährten Geschichte wie dieser freilich die Gefahr von Desinteresse beim Publikum. „Aber da kann ich nur sagen: Andere historische Themen werden doch ebenfalls verfilmt und gerne gesehen“, so der 57jährige.“

 

Kinostart: Frühjahr 2019 – 126 Minuten –

 

 

 

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