Offener Brief an die WerteUnion- Teil 2: „Meine Stadt brennt. Reicht mir Tränendöschen!“

Wir werden alle als Original geboren

und sterben aber zumeist als Kopie.

 

Teil 2: Anspruch an sich selbst und Wirklichkeit

Ich möchte heute, am 65. Geburtstag von Roger Willemsen, zwei seiner Zitate diesem zweiten Teil meiner Ausführungen voranstellen:

„Demokratie heißt: Jeder kann seine Überzeugungen haben. Die Fakten werden schon mit ihnen fertig.“

 

Und:

„Der Empörer braucht den Empörten wie der Sonnenkönig das Solarium.“

Vorab: ich denke, es gibt keine politische Strömung, keine politische Organisation oder eine „Graswurzelbewegung“, in der es nicht Streit gibt. Um Grundsätzliches, aber auch um Korinthen. Darin unterscheidet sich die WerteUnion in Nichts von anderen Vereinen. Wo Menschen zusammentreffen, gibt es Auseinandersetzungen.

Es wird immer auch ganz verschiedene Charaktere geben, die da zusammenfinden … oder eben auch nicht.

Aus meinem zweiten Brief an die Landes- und Bundesvorstände der WerteUnion vom 19.07. (den Anlass für diese Briefe behalte ich mir, wie gesagt, für Teil 3 vor)

Kommen Sie mal auf Augenhöhe. Halten Sie ein einfaches WU-Mitglied nicht per se für deppert und sich selbst für die Sonnenkönige. Empfehlung, kein Angriff.
Ihre Haltung sollte so manchem Mitglied ohne Funktion zu denken geben. Überdenken Sie Ihr Verhältnis zu den Mitgliedern der WU. Vielleicht wäre das ein Ansatz, um diese Angelegenheit (kleine Ursache, große Wirkung) nicht vollends eskalieren zu lassen.


Aber mir scheint, hier wird gerade etwas sichtbar, was zufälligerweise durch mich zur Eruption kam.

 Und dafür stelle ich mich dann doch gerne zur Verfügung, falls es dem eigentlichen politischen Anliegen dient, von dem ich mittlerweile ahnen kann, dass mehrere der von mir Angesprochenen dieses nicht mehr verfolgen.

 Es wird in jedem Verein knallen und krachen. Auch im kleinsten Karnickelzüchterverein. Wenn es aber deshalb knallt, weil ein Teil der Vorstandschaft den eigentlichen Vereinssinn (Präambel) verwirkt, also die Zuchtkarnickel (hier: kritische Debatte innerhalb der Unionsparteien) schlachtet, dann hat sich der Stiftungssinn des Vereins verwirkt.

Ich möchte vorwegschicken, dass mich aufgrund dieser beiden Briefe an diesen großen Verteiler Mails aus dem Verteilerkreis heraus erreichten. Allesamt mit dem Tenor, dass das, was ich ausführt hatte, sich mit dem eigenen Anliegen und damit decke, womit man als Funktionär in der WerteUnion massiv hadere und sich nun in einer Sackgasse wähne. Ich bekam aber auch andere Mails, die ich gerne auszugsweise in Teil 3 veröffentliche. Ich hoffe doch, Sie, als Leser meines Offenen Briefes an die WU, amüsieren diese ebenso wie mich. (Obschon man das, was da gemailt wurde, auch entsetzlich finden kann)

Dies bezog sich sowohl auf den Stil und die Methoden einer federführenden Clique in den Vorstandschaften, als auch auf politische Inhalte und Positionen, die wenige Protagonisten der WerteUnion-Führungsebene ohne Zutun, Einverständnis und Absprache mit anderen Funktionären konsequent nach außen äußerten und so zur ultimativen Position der WerteUnion machten.

Ich führte bereits in Teil 1 aus, dass hierdurch ein enormer Rechtfertigungsdruck auf diesen politisch an der CDU- und CSU-Basis Engagierten lastete. Der Druck vergrößert sich dadurch, wenn man hinter dieser politischen Linie, die die WU nun einschlug, gar nicht mehr stehen kann, damit aber identifiziert wird.

Hierbei handelte es sich um politische Instinktlosigkeit und fehlende Strategien genauso, wie um gravierende sachliche Fehler oder taktische Irrwege und zudem um ein Abweichen vom Gründungsmanifest.

Auch hier gilt:  daraus wurde politischer Autismus der WerteUnion, jedoch ohne Inselbegabung.

Neulich hörte ich, als jemand auf einen gravierenden inhaltlichen Fehler aufmerksam machte und dass man das doch so nicht veröffentlichen könnte, dass der Pressesprecher der WU (der eigentlich gar keiner ist, aber dazu komme ich später) äußerte, die Mitglieder und Anhänger der WerteUnion seien doch bekanntermaßen ungebildet und intellektuell gar nicht in der Lage, den Fehler zu erkennen. „Das Publikum ist blöd, aber das Problem ist: der Kaiser trägt keine Kleider?“, hätte ich darauf geantwortet.

Also, liebe Freunde der WerteUnion, nun wissen Sie, was man von Ihnen hält. Ich gehe schwer davon aus, dass Sie mir abnehmen, dass ich diese Meinung über Sie nicht teile. Denn sonst würde ich Sie nicht an meinem dreiteiligen Brief teilhaben lassen. Immer eingedenk der Tatsache, dass Sie sich eine eigene bilden werden, …. also Meinung.

Niemand behauptet, Politik sei einfach. Niemand behauptet, für alles eine Lösung haben zu müssen. Es ist immer gut, wenn es mehr Fragen als Antworten gibt. Für mich persönlich gilt jemand als politisch seriös und integer, wenn er – gerade, was die Sachpolitik angeht – diesen Grundsatz beherzigt. Für mich ist jemand authentisch, der auch mal sagen kann: „Ich weiß es nicht. Aber lass es uns herausfinden“.

Wer heute in der Politik Patentrezepte behauptet, lügt. Alternativlosigkeit haben wir, so glaube ich, alle satt bis oben hin. Die WerteUnion ist diesbezüglich die „kleine Schwester“ der Großen Kanzlerin: auch hier scheint es alternativlose ultimative Wahrheiten zu geben. (Polemik off)

Niemand erwartet von der WerteUnion, im Besitze dieser Rezepte und Lösungen zu sein. Ich erwarte jedoch die grundsätzliche Bereitschaft, diese in den eigenen Heimatparteien erarbeiten zu wollen.

Es ist nachgerade dumm, sich als WerteUnion zu Themen zu äußern, indem sie eine Lösung behauptet, um sich dann auf einen (populistischen) Pol zu setzen. Zudem ist es das einfachste Verhalten, das man in der Politik zutage legen kann. Freilich mit sehr hohem Wiedererkennungswert für die Fans: „Der/die WU sagt das jetzt auch, was ich denke! Prima Truppe!“

Zudem muss der wichtigste Adressat für Kritik, für Lösungsvorschläge, für Positionierungen die eigene Partei sein. Es ist einfach, „das Publikum“ zum Adressaten zu machen, um dort zustimmungsheischend zu agieren. Aber es ist auch nahezu wirkungslos, dies zu tun. Die einzige Wirkung, die erzielt wird, ist profane Zustimmung oder pauschale Ablehnung. (Siehe auch Teil 1) Dort, wo ich etwas verändern möchte, ist mein Betätigungsfeld. Nicht dort, wo eh gewisse Erkenntnisse schon vorhanden sind. Zum Beispiel bei Ihnen als konservativer Leser. Hier gilt: „Es ist alles gesagt, nur nicht von jedem.“

Die WerteUnion hat die große Chance vertan, sich in politische Prozesse einzubringen. Es würde außerdem an ein Wunder grenzen, wenn sich die Mitglieder der WerteUnion alle einig wären. Und wo Reibung ist, ist Energie, und nur so kann Neues und Konstruktives entstehen.

Ich weiß mittlerweile, dass ich mit meiner Haltung dazu nicht alleine stehe. Dies habe ich, wie ich oben schrieb, mittlerweile vielfach erfahren. Es geht nicht darum, dass irgend jemand der irrigen Annahme aufsäße, innerhalb der WerteUnion müsse es einen Konsens geben. Es geht darum, dass die WerteUnion inhaltlich und im Wie des Auftretens auf einen politischen Holzweg geraten ist, aus dem sie gar nicht mehr herauskommen möchte, denn man kann auch aus Überzeugung auf dem Holzweg bleiben wollen.

Es war für mich natürlich befriedigend, über die Zuschriften zu erfahren, dass meine Wahrnehmung von der Entwicklung, wie sie die WerteUnion nahm, nicht nur eine subjektive Angelegenheit ist. Mein Eindruck war mehr und mehr, dass sich die WerteUnion darauf reduziert, ein politisch mittelmäßiges „Medienunternehmen“ zu werden. Hauptsächlich in den letzten Monaten begrenzt auf die Sozialen Medien, da meiner Wahrnehmung nach auch die Medien die Lust daran verloren haben, die WU bei ihrer Selbtsbeschäftigung kommentierend zu begleiten.

Freilich muss man anerkennen, dass der anfängliche Druck, der aus den Unionsparteien heraus auf die WerteUnion aufgebaut wurde, groß war … und diffamierte. Man hatte dem aber politisch nichts entgegen zu setzen, sondern erfüllte jedes Vorurteil mit Bravour – und erfüllte damit das Bild, das von der WerteUnion entstehen sollte.

Die Opferrolle füllte man aus, indem man alles dafür tat, dass diese Schmähkritik an der WU sogar berechtigt geäußert wurde. Einfacher kann man es dem politischen Gegner nicht machen. (siehe auch: Chronologie, wie sie die AfD beschritt. Die WerteUnion war nur noch schneller und perfekter darin.)

Gerne nennt man diese kommunikativen und politischen Fehlgriffe dann „Klartext“, der notwendig sei, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Man müsse das Unsagbare sagen. Der Sache zuliebe. Auch das: ein Offenbarungseid. Nur eine Teenager-Persönlichkeit rebelliert und wird dann zunehmend inhaltsärmer in ihren Schilderungen und Forderungen. Sie rebelliert des Rebellierens Willen. Eine erwachsene, vor allem aber konservative Persönlichkeit weiß um die Komplexität von Sachfragen und um die Schwierigkeiten der Lösungsfindung. Gerade in der Politik.

[„Klartext“ behaupten beispielsweise auch Antisemiten als Alibi, wenn sie ihren latenten Antisemitismus als Israelkritik tarnen oder darüber legitimieren und verharmlosen.]

Die WerteUnion hat sich im Laufe der Zeit eher infantilisiert, anstatt sie zunehmend erwachsen geworden wäre und an den Erfahrungen gelernt hätte, sowie die Taktik, konstruktiv am politischen Prozess mitwirken zu können und seriös an der politischen Meinungsbildung Anteil nehmen zu können, darauf ausgerichtet hätte.

Es ist natürlich einfacher, sich mit Empörten zu einem kuscheligen Wir zusammenzufinden, als mit kritischen Geistern den Austausch und den politischen Streit zu suchen.

„Wir Konservativen müssen doch zusammenhalten“, höre ich. Dieser Satz ist sehr tückisch. Es wurde oft genug in der AfD so geäußert – gerade gegenüber kritischen Geistern. Dort gilt der Kritiker als Nestbeschmutzer. Das Ergebnis liegt vor: eine Radikalisierung und sektenähnliche Strukturen, die Kurskorrekturen schon im Keim erstickten und zu fortwährender Radikalisierung führten. Auch hier gilt für mich: die AfD ist insofern politisch wirkungslos, da Ideologie der Sachpolitik übergeordnet ist. Ganz abgesehen davon, dass die AfD keine konservative Partei ist.

Meine Kritik an der WerteUnion wuchs im Laufe der Monate und die Identifikation fiel dadurch immer schwerer, was Stil und aber auch, was Inhalt angeht.

Sonnengötter neigen nicht dazu, ihren vermeintlichen Erfolg, der durch den faden Glanz der Selbstillumination und der kritiklosen Zustimmung von Jubelpersern sich als solcher anfühlt, in Frage zu stellen. Nach ihrem Empfinden ist er ja da.

Das allerdings sehen WU-Mitglieder an der Parteibasis oft anders, weil sie mit sehr Konkretem konfrontiert werden und hier Rede und Antwort zu stehen haben. Vor allem aber auch, in diesem Fall, durch das mittelmäßige politisch fragwürdige Spiel von einigen Wenigen, die sich anmaßen, „die WerteUnion“ sein zu wollen.

So antwortete ich neulich auf die Äußerung des 1. Vorsitzenden, Alexander Mitsch, dass doch „die WerteUnion“ nichts Schlimmes (im vorliegenden Fall – Teil 3) getan habe: „Die WerteUnion gibt es nicht. Sie gibt es nur als die Summe ihrer Mitglieder“.

Ein guter Freund sagte mir vor wenigen Wochen, dass die WerteUnion für sich schon in Ordnung sei. Sie habe sich schließlich dafür entschieden, diesen politischen Weg auf diese Art und Weise einzuschlagen. Das Problem sei nur: ich passe demzufolge nicht zur WerteUnion. Damit hatte er recht. Danke, lieber X!

Und wie ich zwischenzeitlich erfahren durfte, geht es nicht nur mir alleine so. Relevante Mitglieder laufen der WerteUnion weg. Nach meiner Auffassung ist ein relevantes Mitglied keines wie ich, das nur Füllmaterial darstellt. Das zwar eine politische Haltung einnimmt und äußert, aber eher Hintergrundakteur ist. Diese Rolle mag ich übrigens. Ich wurde erst „relevant gemacht“, indem man auf meine Kritik massivst reagierte (siehe Teil 3). Relevante, von der WerteUnion aber in die Bedeutungslosigkeit gedrängte Mitglieder sind diejenigen, die in den Unionsparteien Politik mitbestimmen und aktiv daran teilhaben. Diese Mitglieder werden sich immer schwerer damit tun, Mitglied der WerteUnion zu bleiben, wenn die politische Arbeit, die sie an der Basis leisten und dort konservative Stimmen vertreten und behaupten müssen, durch das Tun der WerteUnion sabotiert wird.

Es gibt übrigens kaum ein Mitglied im Bundesvorstand, das in relevanter Funktion an der Parteibasis tätig ist. So gibt es auch kein Bewusstsein dafür, wie kontraproduktiv sich das eigene Verhalten als WU auf politische Prozesse bis in die basalen Ebenen der Unionsparteien auswirkt.

Es wird ein WU-Regionalverband nach dem anderen aus dem Boden gestampft, stolz darüber in der Öffentlichkeit berichtet, aber nicht erwähnt, dass auch dies nur ein Schattenboxen ist und im Grunde eine neue Onanie-Gruppe ohne politischen Einfluss.

Klingt gut, ist aber kein Gewinn, so diese Mitglieder, wie es meist der Fall ist, gar nicht in die Unionsbasis hinein politisch arbeiten, sondern man nur etwas künstlich aufbläht, um weitreichende Vernetzung und Aktivität zu simulieren.

Ich habe gründlich recherchiert und so auch über die Kooperationen mit der AfD, die in der Presse besprochen wurden. Wenn die WerteUnion nun eine „Frankfurter Erklärung“ erlässt, die wiederum nicht das Papier wert ist, auf dem sie steht, während relevante Funktionäre längst diesen Weg gehen, dann stellt sich mir die Frage:

Es wäre kein Problem, den Austritt aus der Union zu besiegeln. Warum tut man es dann nicht? Warum versucht man mit Nachdruck, die Türen der Unionsparteien für AfD-Nahe und -Akteure zu öffnen? Warum ist man nicht so konsequent und sucht sich in der AfD eine neue politische Heimat, wenn man in der eigenen Partei gar nicht wirken will, sondern nur den Job des mittelmäßigen Anklägers spielt?

Ich komme zu diesem Punkt in Teil 3, denn er ist Teil dessen, mit welchen Methoden man mir begegnet ist und warum es vielen konservativen Mitgliedern in der WerteUnion schwerfällt, den eingeschlagenen Weg noch mitzutragen.

Ich  möchte diesen Offenen Brief nicht dafür nutzen, die AfD zu beleuchten oder meine Meinung über sie zum Ausdruck zu bringen.

Ich möchte jedoch explizit feststellen, dass ich Mitglied einer Unionspartei bin. Und damit bin ich keinesfalls Verfügungsmasse von einigen WerteUnion-Granten, die meinen, mich und andere Mitglieder für einen Weg mit AfD-Spielern  verhaften zu können. Es bleibt hier nur der Austritt aus der WU, zumal diese WerteUnion-Mitglieder gar nicht ahnen, was sich hier auftut und vertrauensvoll und leider auch blauäugig ins Abseits hineingelaufen lassen werden.

Ich ändere mit dem Austritt aus der WU kein Jota meiner politischen Haltung, von der ich annahm, die WU repräsentiere diese. Vielmehr halte ich gerade damit an meinen Überzeugungen fest, versuche, diese an Andere heranzutragen und suche hier die politische Reibung, die zu etwas führen soll. Möglichst und idealerweise zu etwas Gutem für alle Beteiligten.

Wer der Überzeugung ist, die Union oder hier die WerteUnion müsse mit der AfD oder AfD-nahen Influenzern, Wahlhelfern und Unterstützern kooperieren, der soll das auch offen kundtun, sodass jedes Mitglied weiß, woran es ist. Das WerteUnion-Mitglied Max Otte macht das ganz offen und unverstellt. Auch wenn ich immer der Meinung war, in der WU sei er damit deplatziert, so ist das wenigstens ehrlich.

Es wird jedoch heimlich, still und leise die WerteUnion auf einen Weg geschickt, der nicht so ohne Weiteres erkennbar ist. So nehmen diese WerteUnion-Macher in Kauf, dass sich ein Mitglied, das u.U. seit Jahrzehnten an der Unionsbasis kommunalpolitisch wirkt, urplötzlich vor der Tatsache sieht, dass diese Jahre durch die Egos Einzelner sehenden Auges zerstört wurden.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es doch Einige in der WerteUnion – zunächst unabhängig voneinander – so sehen wie ich es sehe. Auch eine gewichtige Stimme im Bundesvorstand der WU, die jedoch nicht die Funktion des 1. Vorsitzenden innehat.

Ich hörte neulich von einem weiteren WU-Mitglied, dass es die Haltung des Bundesvorstandsmitglieds Kellmann (zu dem ich in Teil 3 kommen werde) zum Fall Lübcke war, die erste Zweifel aufbrachten, was die eigene Identifikation mit der WU anging. Hier wurde von Kellmann eine Position vertreten, die jedem Konservativen aufstoßen muss. Erst später wurde diese Wortäußerung dann gelöscht. Aber sie wäre nie entstanden, wenn sie nicht aus einer inneren Überzeugung heraus geäußert worden wäre.

Es gibt bereits das Bestreben von „relevanten“ (sprich: prominenten) WU-Mitgliedern, aktiv diese Kooperation mit der AfD zu gehen. Es gibt einzeln den offenen Widerstand dagegen auch in den Reihen der Bundes- bzw. Landesvorstände. Es sind jedoch nur Einzelne, an denen dann ein Exempel aufgrund dieses Widerstsands statuiert wird. Siehe Teil 3. Das, was mir seitens der WU widerfahren ist, war im Grunde eine Stellvertreterfunktion, die ich, ohne zu ahnen, in welches Wespennest ich stocherte, einnahm. Ein katalysatorischer Effekt, der sich an mir abmachte und der dann zu Methoden führte, die das konterkarieren, wofür man eigentlich angeblich stehen will.

Mir war es wichtig, diese Aspekte so ausführlich zu beschreiben. Mir ist es wichtig, dass engagierte Konservative nicht plötzlich vor der Situation stehen, sich von talentfreien Möchtegern-Politikern jahrzehntelange Arbeit in der eigenen Partei zerstören zu lassen.

Ganz offen: die Methoden, die ich in Teil 3 beschreibe, kennt man von der SED. Hier wurden sie wohl, wie ich in Teil 1 andeutete, auch bestens erlernt.

Das, was man der Merkel-Union unterstellt, führt man selbst perfektionistisch aus.

Mir ist es überaus wichtig, dass das, was hier inzensiert und orchestriert wird, nicht wiederum zur Stigmatisierung von konservativen Stimmen führt. Ich halte das konservative Gegengewicht, das sich seriös und konstruktiv zu Wort melden muss, für essentiell in der Parteienlandschaft, genauso, wie ich eine Sozialdemokratie, wie es sie noch in der Bonner Republik gab, für wichtig hielte. Wichtig auch als Gegengewicht zu meiner eigenen konservativen Position!

Ich wünsche mir weiterhin selbstbestimmte, selbstbewusste und laute konservative Stimmen. Trotz oder gerade wegen meiner sehr harschen Kritik.

Mir ist es wichtig an dieser Stelle herauszustellen, dass die meisten WerteUnion-Mitglieder sicherlich – und meiner Wahrnehmung nach – meine Positionen ebenfalls repräsentieren. Die WerteUnion ist u.a. deshalb, was ich oben beschrieb, ein gefährliches Pflaster für das Anliegen Konservativer geworden, die ihre politische Heimat noch immer in den Unionsparteien haben und dort auch behalten werden, und den konservativen Wesenskern daselbst wieder repräsentiert sehen möchten!

Politische Opportunisten, die noch nie politisch wirkten und aber in Pöstchen in der WU ergattert haben, werden weiterhin ihrem Opportunismus frönen. Das ist auch in Ordnung so, aber es muss gesehen werden.

Ich möchte im Folgenden kurz ausführen, welche Themen von der WerteUnion aufgegriffen und keinesfalls auf der Grundlage des Gründungsmanifests dargereicht werden konnten.

Strategiepapier:

Die WU veröffentlichte ein Strategiepapier, das gar keines ist. Es ist eine Ansammlung von weiteren Positionen, entbehrt aber jeglicher inhaltlicher Substanz. Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle vor allem, dass den Mitgliedern der WerteUnion hiermit verordnet wurde, Opposition in den eigenen Parteien sein zu müssen. Ein autokratischer Fauxpas! Ein inhaltlicher Blindflug und eine ungeheuerliche Anmaßung.

Man könnte diese Sprechblasen des sog. „Strategiepapiers“ auf nur einen Satz stattdessen verkürzen, wenn man verstanden hätte, was es heißt, politisch in den Unionsparteien zu wirken:

Mitglieder der WerteUnion, die Mitglieder in den Unionsparteien sind, sind integraler Bestandteil dieser Parteien und konservative Stimmen, die einen namhaften Wesenszug der Unionsparteien ausmachen.

Stattdessen bestimmt man selbstherrlich und politisch einfältig über das, wie sich WU-Mitglieder in ihrer eigenen politischen Heimat zu empfinden haben: als Opposition. (Elend, schlag die Trommel!)

Hierdurch unterscheidet sich die WerteUnion in Nichts von der Merkel-Union, sondern verhaftet die Mitglieder für ein Selbstverständnis, das weder aus dem Gründungsmanifest hervorgeht, noch mit dem Mitgliedern in irgendeiner Weise abgestimmt wurde. Dieses Statement dient lediglich jenen, die sich ohnehin schon ins Aus geschossen haben, weil sie bei Kandidaturen um Funktionärsposten und Mandate scheiterten (was nicht ausschließlich auf die Ablehnung der WU zurückzuführen ist) dabei, ihr eigenes Ego auf den Schultern der Mitglieder auszuleben.

Klimamanifest

Es war völlig unnötig und keiner hätte es von der WerteUnion erwartet, ein polarisierendes Klimamanifest in den Orbit zu blasen.

Dieses sog. „Manifest“ wurde maßgeblich von zwei, drei Leuten der WU Bayern ausgearbeitet, deren erklärtes Hobby es zu sein scheint, Phrasen und Versatzstücke als Blaupause der fragwürdigen Erkenntnisse des AfD-nahen EIKE e.V. aneinanderzureihen und zu veröffentlichen. Innerhalb einer vorangegangenen Veranstaltung erklärte der Pressesprecher der WU Bayern, Felix Schönherr, dass EIKE für diese Positionierung Pate gestanden hat. Etwas Neues war hier nicht zu lesen. Nebst der Überschrift, die nahezu ein 1:1-Zitat von Beatrix von Storch, AfD, abbildet.

Um dem Ganzen noch einen Vogel aufzusetzen, behauptet man im Manifest, dass man die Expertise von „namhaften Wissenschaftlern“ eingeholt habe und als WU Bayern eng mit diesen zusammenarbeite. Namensnennung unterblieb freilich. Ein Schelm, wer …

Umweltschutz ist ein konservatives Thema und ein konservatives Anliegen. Das erste Umweltministerium weltweit gab es im konservativen Bayern. Klimapolitik ist anverwandt.

Anstatt also als WerteUnion (Bayern und insgesamt) die Chance zu nutzen, um mit der eigenen Partei CSU im Ansatz einer sehr pragmatischen Umweltpolitik mitzuwirken und sich hier einzubringen – auch mit Kritik und Bedenken -, veröffentlicht man ein AfD-Klimamanifest und erklärt damit kurzerhand, dass sämtliche Umweltschutzmaßnahmen nahezu unnötig seien.

Man hätte sich in der CSU einen Namen machen können. Man hätte den Weg der pragmatischen Umweltpolitik begleiten können. Man hätte damit „die Marke“ WerteUnion aufgewertet. Man hätte sich zu einem seriösen Diskussionspartner gemacht. Man hätte beweisen können, dass man ein politisches Anliegen vertritt, für das man mit Fakten aufwartet. Man hätte beweisen können, dass man nicht nur eine politische Sprechblase ist, sondern ernstzunehmender politischer Mitgestalter.

Die Grünen in Bayern spielen fast keine Rolle mehr. Das Feld ist bestellt. Auf diesem Feld spielt die CSU und sonst niemand.

Die WerteUnion konterkariert jedoch mit ihren mittelmäßigen AfD-Blaupausen das Bestreben, die Grünen zumindest in Bayern entbehrlich zu machen und hier umweltbewusste Menschen, die ihre Heimat lieben, wieder in den Schoß der konservativen Familie zurückzuführen.

Dies nur ein Beispiel dafür, wie politische Dummheit in der Praxis geht.

Was dies jedoch für die WU-Mitglieder an der Basis bedeutete, wurde kurzerhand ignoriert. Merke: diese Mitglieder gibt es im Leben von Sonnenkönigen nicht.

Teil 3 wird dann auch von Zweien der EIKE-Manifest-Kopierer handeln und ihrer Auffassung von Kritik, die sie sich gerne selber wie eine Medaille an die politisch schmale Brust heften, aber Anderen nicht zugestehen, sondern diese mit allen Mitteln (!) bekämpfen.

Corona-Krise

Für die Corona-Krise gilt dasselbe im Effekt, was ich zum sog. „Klimamanifest“ ausführte.

Würde man das Gründungsmanifest der WerteUnion auch wirklich leben, so hätte es hier nur einen Weg gegeben:

Den Weg der eigenen Partei/en kritisch begleiten. So aber zögerte man keine Sekunde, den Weg der AfD mitzugehen.

Das Gründungsmanifest der WU ist auf den Menschen ausgerichtet. Basierend auf tradiert christlichen Werten.

Die Aufgabe in der Politik zu Zeiten dieser Pandemie ist es, am Mischpult zu sitzen und die Interessen von Wirtschaft und den Schutz des Lebens von Menschen gleichermaßen regulierend zu steuern. Gerade in dieser Krise zeigt sich, wer dazu in der Lage ist.

Verantwortung heißt nicht, Macht zu besitzen. Verantwortung meint zu allererst: dienen. Der Sache dienen, dem Mandat/dem Amt, den Bürgern, den Menschen. So es wäre auch die Verantwortung der WerteUnion-Vorstände gewesen, dem politischen Willen seiner Mitglieder zu dienen, indem konservativ sowohl auf die Situation, als auch auf Maßnahmen der Politik reagiert worden wäre.

Ein Konservativer ist Rat- und Impulsgeber zugleich. Er trägt eine Situation (politisch) mit, sucht nach Lösungen, hilft bei der Bewältigung.

Die WerteUnion ist dazu übergegangen, sich einzig und mittelmäßig der Wirtschaft anzubiedern, ohne dabei Abwägungen zu treffen. Funktionäre äußerten sich öffentlich haarsträubend, zudem faktenvergessen und pseudowissenschaftliche Positionen erklärend, die durch nichts in der Forschung bislang bestätigt wurden. Auf dieser Grundlage zog man dann kurzgesprungene Rückschlüsse und äußerte abermals wilde „Forderungen“, die ohnehin niemanden mehr interessieren.

Man nahm an „Anti-Corona-Demos“ teil, krähte etwas von Grundrechten in den Raum, ohne jedoch in der Lage zu sein, sich überhaupt reflektiert und überlegt diesem Themenbereich Verfassung zu nähern und die Schwierigkeit und das Spannungsfeld hier herauszustellen.

Ich persönlich erwarte genau dies von Konservativen. Sie auch?

Auch dies wiederum sollte durch die Mitglieder mitgetragen werden. Ich hörte (dann im Nachhinein), dass es hier schließlich massiv in der Mitgliedschaft bröckelte und spätestens jetzt Gedanken zum Austritt aus der WU drängender wurden. Teilweise war Fremdschämen an der Tagesordnung.

Auch hier hat die WU eine bedeutsame Chance vertan, als Verein politische Persönlichkeit zu werden. Man hörte sich lieber selbst dabei zu, vollmundige Phrasen dreschen.

Wenn ich nun jüngst las, dass der Vorsitzende der WerteUnion, Alexander Mitsch, kurz vor einer Buchveröffentlichung steht, dann können Sie sicherlich verstehen, dass ich zwischen Grinsen und Verständnislosigkeit schwanke.

„Im Dienste der Überzeugung: Wie wir Deutschland und die CDU/CSU nach Merkel retten“

Ich verlinke dann doch gerne mal.

Herr Mitsch, Sie dürfen meinen Offenen Brief als Vorab-Rezension begreifen.

[Ich bitte jedoch an dieser Stelle freundlich darum, meine eigene Roman-Veröffentlichung vor weiteren (!) Fake-Negativrezensionen aus dem Kreise der WerteUnion heraus zu verschonen. Auch das eine Methode, zu der man in der WU griff.]

Dazu ist zu sagen: die Vereinnahmung in ein „Wir“ verbitte ich mir entschieden. Ich denke, meine Ausführungen sind selbsterklärend.

Dazu ist ferner zu sagen, dass jeder, nur nicht Alexander Mitsch und die sehr wichtigen WU-Vorstands-Kollegen gemerkt haben, dass es bereits seit einigen Monaten „nach Merkel“ ist. (Ausnahmen bestätigen in all meinem Gesagten die Regel, btw)

Spätestens hier hätte die WerteUnion schon jemand sein müssen. Sie hat es verschlafen … mutmaßlich aus Lust an der Selbstbeschäftigung heraus, dem Verkennen, dass sie schon gar niemand mehr ist und der gewichtigen Onanie, bei der sie bitte keinesfalls gestört werden möchte. Wie ein Pubertierender, der seine ganze Aufmerksamkeit auf die Ereignisse unter der eigenen Bettdecke lenkt, während das wahre (politische) Leben und die Mädchen „draußen umherlaufen“.

Nur: der Teenager wird irgendwann sein Augenmerk auf das echte Leben lenken können. Für die WerteUnion gibt es dann das „politische Leben da draußen“ längst nicht mehr. Außer möglicherweise in den Reihen der AfD-nahen, die im Begriff sind, eine Lücke zwischen den Unionsparteien und der AfD mittels einer Parteineugründung zu füllen.

Good riddance!

Meine Prognose: die WU-Granten werden noch an den Türen der AfD kratzen, um Aufnahme zu finden. Aber ich glaube, selbst die AfD bevorzugt die Originale und nicht die Kopie bzw. das Plagiat.

In der Politik – und im Leben überhaupt – ist der stabil, der authentisch ist und wirklich seinen Überzeugungen folgt. Und das ist unabhängig davon, ob man Applaus bekommt.

Die WerteUnion richtet ihre Überzeugungen dorthin aus, wo es Applaus gibt. Sie ist damit ein Darsteller ihrer selbst – eine politische Simulation.

Noch während ich an diesem Teil 2 tippte und die Ankündigung von Teil 3 so manch Einem den Schweiß auf die Stirne treibt, bekomme ich erste besorgte Zuschriften. Man möge doch einen selbst aus den Schilderungen draußen lassen. Man habe doch selbst keinen Anteil daran gehabt.

Ich kann hier nur zitieren – auch auf die gesamte WU als Projekt bezogen:

„Meine Stadt brennt. Reicht mir ein Tränendöschen!“

 Ich leite damit zu Teil 3 über, der kennzeichnen wird, dass es oft so ist:

das, was man am vehementesten bekämpfen möchte, hat am meisten mit einem selbst zu tun.

Das beschreibt die WerteUnion im Verhältnis zur Merkel-Union, so glaube ich, treffend. Aber urteilen Sie selbst beim Lesen von Teil 3.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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