„Ohne Studium und Ausbildung“ und stolz darauf … – Das Frauenbild einer Muslima in Deutschland

Stimmungsbild von: Ao Krippner [Tertium datur]

Für unserer Artikelserie „Als Gastarbeiter in arabischen Ländern“ (klick hier) bin ich gerade dabei, den dritten Teil zu transkripieren, als ich auf diesen Tweet von Sibel Schick, einer Bloggerin, stoße.

Unser Interviewpartner, Dr. Michael D., schildert in seinen Ausführungen gerade das schlechte Frauenbild im Orient und wie sich dieses auf Migrantinnen aus dem arabischen Raum und der Türkei auf Deutschland und unsere Gesellschaft auswirkt.

Sibel Schick ist also eine Bloggerin und bezeichnet sich auf ihrer Homepage als Journalistin und feministische Aktivistin.

„Sibel Schick ist eine freie Autorin und Journalistin, feministische Aktivistin und Social-Media-Redakteurin. Sie ist 1985 in Antalya (Türkei) geboren und wohnt seit 2009 in Deutschland. Ihr Schwerpunkt liegt auf Sexismus, Rassismus, Türkeipolitik, Kultur, sexuelle Selbstbestimmung und Dating.“

Für mich sind gute Journalisten und Blogger und auch gute Kommentatoren von gesellschaftlichen und politischen Ereignissen die Menschen, die über Lebenserfahrung verfügen: auch und gerade durch Ausbildung und Studium nicht in einer Echokammer der Unberührbaren hängenblieben, aus der heraus sie – ohne über Lebenserfahrung zu verfügen – ihre eingeschränkte Sichtweise und unbelebten Weisheiten in alle Welt verkünden und damit zu Stimmungsbildnern der jungen Generation werden – und, wie Sibel Schick, zu Stimmungsbildnern der jungen Migrantengeneration.

Schick macht sich vor allem zudem zum Vorbild anderer aus dem islamischen Raum stammenden Migrantinnen.

 

Was sollte in solch einer Autobiographie stehen?

Man könnte solch ein Buch in zwei Sätze fassen:

„Wie ich es geschafft habe, ohne Qualifikation und Bildung die Gesellschaft, die mich aufgenommen hat, des Rassismus zu bezichtigen. Und: wie ich es geschafft habe, anderen Muslima vorzuleben, dass Bildung, Ausbildung und Studium für diese „Kernkompetenz“ völlig unnötig sind.“

Was ist mit unserer Gesellschaft bloß los? Was ist mit dem Neofeminismus los, wenn einer seiner Stars sich damit brüstet, als muslimische Frau ohne Ausbildung und ohne Bildung überhaupt zurecht zu kommen, dies noch als Kompetenz aufpumpt, um etwas offensichtliches bloßzulegen: dass hier „Positive Diskriminierung“, also Affirmative Action gewirkt haben muss.

In folgendem Video (Video am Ende des Artikels) erklärt sie uns, der aufnehmenden Gesellschaft von Migrantinnen wie Schick, wie man dem entgegenwirken könnte, als Frau weniger Honorar „bei gleicher Leistung“ zu erhalten.

Sie führt ihren Bereich des „Journalismus“ an.

 

Liebe Sibel Schick,

vielleicht könnte man dem Umstand zunächst mal entgegenwirken, indem Migrantinnen wie Sie von ihrer Anspruchshaltung mal ein wenig herunterkommen. Das zum Ersten. Hier in Mitteleuropa ist es – anders als in Ihrem Herkunftsland oder in der arabischen Welt – so, dass wir Wert darauf legen, dass nicht Herkunft entscheidend ist, sondern beispielsweise Leistung, Kompetenz und (Aus)Bildung.

Ich habe als junges Mädchen gelernt, dass Bildung die Tür zur persönlichen Freiheit ist. Sie senden damit ein völlig falsches Signal, wenn Sie postulieren, dass es für junge Migrantinnen erstrebenswert ist, hier in meinem Heimatland ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung und ohne Qualifikation ins Leben zu starten.

Wir hier in Deutschland – und das scheinen Sie in den 10 Jahren Ihres Lebens in unserem Land nicht begriffen zu haben – möchten, dass jeder dieselben Chancen hat. Das setzt voraus, dass jeder die Chancen auch ergreift, was Bildung und Ausbildung angeht. Sie haben sich offensichtlich einen Teufel darum geschert, sondern ziehen die Karte der „benachteiligten“ und der von „Alltagsrassismus belangten“ Migrantin, ohne jedoch etwas dafür getan zu haben, als Frau in Mitteleuropa wirklich integriert zu sein. Unter Integration verstehen wir: unsere Vorstellung von selbstbestimmtem Leben realisieren zu wollen.

Wir haben Ihnen Chancen eröffnet: Sie haben sie nicht genutzt.

Nein, liebe Sibel Schick: Bloggerin zu sein heißt nicht, einen Beruf zu haben, auch wenn Ihnen das so erscheint, weil sie größtmögliche Aufmerksamkeit von Ihresgleichen auf sich ziehen. Ihr Eindruck täuscht, wenn Sie meinen, so als selbsternannte Feministin noch zudem, dass Sie damit Ihr Leben als eine selbstbestimmte Frau bestreiten könnten. Es wird der Tag kommen, an dem sich diese „linken Blätter“ nicht mehr für Sie interessieren, weil es Frauen gibt, die aufgrund ihrer Bildung und Ausbildung einfach schreiben und auch denken können, und die sich den Beruf des Journalisten erarbeitet haben … und ihn damit auch ausfüllen können.

Was, liebe Sibel Schick, möchten Sie denn Frauen im islamischen Raum sagen, die sich nach Schulbildung und Studium sehnen, denen beides aber verwehrt bleibt, weil ihre Familien es ihnen versagen oder weil der jeweilige Staat rückwärtsgewandt die Frauen ins Mittelalter zurückschickt? Sie müssten diesen Frauen – wie einer Malala Youzafzai, die ihr Leben für Bildung riskierte – sagen:

„Der Feminismus, den ich in Deutschland lebe, heißt:

beschimpfe Deinen Gastgeber maximal, betone dabei immer, dass Du Migrantin bist, fordere, dass Du deshalb den bestmöglichen Job bei höchstmöglicher Bezahlung verdient hast. Mit NULL Qualifikation.
Und zwar nicht, weil Du gut bist, sondern weil Du Migrantin bist.
Enge Dein Weltbild ideologisch ein und weite es nicht dadurch, indem Du es Dir durch Bildung erschließt.
In Deutschland reicht es völlig aus, wenn Du einfach die Phrasen der Ideologen aggressiv und so laut wie möglich wiederkäust. Mehr Qualifikation braucht es nicht.“

Nein, Sibel Schick, das ist nicht das Selbstverständnis, wie es Frauen meines Kulturkreises leben. Und nein, dafür haben meine Mutter-Generation und Frauen meiner Generation nicht gekämpft, um uns Schritt für Schritt zu entwickeln und unseren Platz einzunehmen.

Sie dürfen sich eines sehr bewusst sein: wären Sie Deutsche, krähte kein Hahn nach Ihnen, sondern würde zuerst mal von Ihnen als Frau etwas fordern – nämlich: in der Rolle der erwachsenen, selbstbestimmten Frau anzukommen.

Bleiben Sie eben, wenn Sie das meinen, in der Rolle der unterqualifizierten Migrantin. Damit erfüllen Sie wenigstens eine Rolle perfekt:

Sie beweisen den Männern Ihres Kulturkreises, dass deren Frauen eben nicht ebenbürtig sind.

Und Sie beweisen, dass Sie eine Alltagsrassistin sind, indem Sie unser Frauenbild konterkarieren und in unserem Land ein Frauenbild platzieren möchten, das wir längst schon überwunden haben: das der in Sachen Bildung und Teilhabe am Leben unterlegenen Frau.

Sie lieben die „unterprivilegierte Frau“, wie sie Ihr Kulturkreis kultiviert? Dann bitte: leben Sie das woanders und machen Sie sich nicht zum verkehrten Vorbild von Frauen aus Ihrem Kulturkreis, die hier tatsächlich all ihre Chancen auf Bildung und Ausbildung, auch gegen den Widerstand von Ewiggestrigen Ihres Kulturkreises, nutzen möchten.

Und meine Aufforderung geht an Menschen meines eigenen Kulturkreises:

lasst es nicht zu, diese Frauenbilder hierzulande aus falsch verstandener Toleranz oder aus der Angst heraus, ansonsten mit der Rassismuskeule erschlagen zu werden, etabliert werden.

Niemand in diesem Land sollte Rassismus dulden oder wegsehen. Aber Fremdenfeindlichkeit wird zum echten Problem für uns alle werden, wenn wir solche Nummern aus dem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ nicht schleunigst auf den Boden der Tatsachen holen und längst Überfälliges stets und sachlich, aber mit Nachdruck in der Debatte halten!

Es gäbe noch viel zu sagen, aber möchte schließen mit einem Zitat eines lieben Freundes und Kollegen:

„Und wenn sie zu solchen teils auch theoretisch überfrachteten Themen wie Feminismus etc. (Missionars-)Stellung bezieht, dann wird sie überzeugen wollen und können.“ Ja, leider ist dem so. Die Generation Z läuft eben den falschen Propheten nach. Sibel Schick ist eine/r von ihnen.

 

 

 

 

 

 

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