Schwarm“intelligenz“, U-Boote und Stasi – oder: wie Verschwörungstheorien in Echtzeit entstehen.

An und für sich wollte ich ja eine sehr lange Pause machen, was Politisches angeht und entsprechende Kommentare meinerseits hier auf diesem Blog.

Aber nun ist es zu verlockend, wenn man eine solche Vorlage bekommt.

Die Gemälde von Maurits Cornelis Escher gehen mir nicht mehr aus dem Kopf – zu groß die Parallele und die Absurdität.

Die Vorlage, also „die Schwarmintelligenz“ um Klaus Kelle, Hans-Georg Maaßen, Vera Lengsfeld und Co,  ist geradezu montypythonesk.

Die Schlucht der ewigen Gefahr.

Vor wenigen Tagen bekam ich diesen Screenshot zugeschickt. Er stammt aus der Facebook-Gruppe des sogenannten „Schwarmintelligenz-Treffens“ von Klaus Kelle und Co. (Ich schrieb hierüber bereits hier) Dieses Posting führte quasi direkt in die „Schlucht der ewigen Gefahr“ hinein.

Ein Teilnehmer beschwert sich in dieser Gruppe darüber, dass ein „linksextremistischer Blog“ mutmaßlich „vertrauliche Informationen“ in justiziabler Weise veröffentlicht habe. Es seien Namen von angemeldeten Teilnehmern dort veröffentlicht worden – freilich in der „Absicht, diejenigen einzuschüchtern“ mit dieser Veröffentlichung. „Linksextreme Methodik“ wird vermutet und man solle dem mal unbedingt auf den Grund gehen, wie es zu diesem kriminellen „Datenleak“ komme.

Das Datenleck. Bedrohliche Mächte wissen alles.

Nun, die Antworten lassen nicht lange auf sich warten. Empört wird in die Runde von 851 Gruppenteilnehmern gefragt: „Wie kommen die an die Daten?“ Und man ist sich sofort einig: Ich fürchte, dass unter den Anmeldern ein U-Boot war. Da wird sich jemand angemeldet haben, der dann in letzter Sekunde einfach nicht gekommen ist.“

So nebenbei spekuliert man dann, wie der Blogschreiber dazu kommt, die Teilnahme von so vielen AfD-Mitgliedern und -Politikern zu behaupten. Woraufhin ein AfD-ler preisgibt: Wir waren alleine aus S-H rund ein Dutzend Mitglieder, davon 5-6 Mandatsträger. Vorstände etc mal gar nicht mitgezählt. Und aus dem restlichen Bundesgebiet habe ich auch eine ganze Reihe gesehen. (Mittlerweile behaupteten bestimmte schwarm-nahe Medien, es seien vielleicht zwei oder drei gewesen. Zu groß war doch der Schock darüber, dass die Öffentlickeit diesen Pas de deux zwischen Werteunion und AfD kritisch wahrgenommen und kommentiert hatte.)

Aber weiter zu diesem „Datenleak“. Die versammelte „einzig wahre Intelligenzija Deutschlands“ geht in detektivischer Manier gemeinsam vor. Denn: Hirnleistung im Schwarm multipliziert sich ja bekanntlich. Und nicht nur diese …

 

Mit dem U-Boot durch die Schlucht der ewigen Gefahr.

Wir müssen ein U-Boot unter den Anmeldern gehabt haben.

Das Datenleck lässt sich vielleicht einkreisen.“

 

Die Stasi. In Erfurt. Beim Treffen. In tiefhängenden Lampen.

 

Besonders hinweisgebend ist natürlich dieser Kommentar, der ja auch durch von Maaßen und Lengsfeld auf der Veranstaltung geäußerte Theorien zur Unterwanderung der BRD durch DDR-Methodik bestätigt wurde:

also die stasi kenne ich sehr gut. Heut ist schon etwas anderes. Nicht jeder 3. Spitzelt für irgendwas, damals war die eigene Familie die ein verraten haben. Nicht heut sind die Wohnungen sosehr verwanzt. In den Restaurants hängen die Lampen so tief, weil eine wanze drin ist.“ (Rechtschreibfehler im Original)

„Wie gestern schon gesagt wurde, die Seilschaften sind noch aktiv. Traurig, aber kein Grund aufzugeben“

„Die Nahmen der Teilnehmer könnte er über den Mailverteiler haben, wo dann ja auch die Infos zur Location mitgeteilt wurden in letzter Sekunde. Naja, wie dem auch seih, die müssen ja eine tierische Angst vor uns haben, wenn sie so sehr an uns interessiert sind“

Jo. Angst.

Und jahaaa, da möchte man gerne zurufen: Nein! Gebt nicht auf! Ihr kommt schon noch drauf!

 

Gibt es Datenschutz-rechliche Konsequenzen für die linken Blogbetreiber bkramer.noblogs, die das unter diesem Impressum veröffentlicht haben ?

Die Empörung und die Erklärungen wechseln sich im weiteren Verlauf dieses Threads ab. Auch die Organisatoren selbst melden sich zu Wort und versprechen, umgehend rechtliche Schritte einzuleiten.

 

Tage später. Nach investigativen Recherchen und juristischer Hilfe.

Schließlich spricht der Führer der deutschen intelligenten schweigenden Mehrheit – nach Tagen des Wartens, Hoffens und Bangens, während derer sich wohl noch weitere Theorien „hinter vorgehaltener Hand“ (der U-Boote, der Spitzel und der Stasi wegen) verselbständigt haben, ein lautes, gewichtiges Wort:

Ich zitiere auszugsweise Klaus Kelle, den Chef der Intelligenzija:

„Was wir nicht mehr machen werden, ist eine Bekanntgabe der Teilnehmernamen im internen Kreis. Dies war im Vorfeld gewünscht worden, um eine bessere Vernetzung zu erreichen. Trotz all unserer Bemühungen ist es einem „U-Boot“ unter den Teilnehmern gelungen, so ein Viertel der Namen herauszufinden und auf einem Blog zu benennen.

Das tut uns leid, und das wird zukünftig nicht mehr möglich sein. Im Übrigen:

Wir haben direkt nach der Veranstaltung einen Anwalt beauftragt, der das Leck finden soll. Nicht ganz einfach, weil die Internetseite irgendwo in den USA betrieben wird. Wenn wir den Verantwortlichen aufspüren, werden wir juristisch, auch strafrechtlich, gegen ihn oder sie vorgehen.“

Obwohl ich nicht Anwältin bin, würde ich mich doch an dieser Stelle anbieten, das „Leck“ zu finden. Gerne nehme ich das Honorar an der Stelle des Anwalts entgegen.

Ich biete also hier der „Schwarmintelligenz“ folgende Lösung an:

a) beim nächsten Schwarm“intelligenz“-Treffen möge man jemand Kompetenten einladen, der etwas zu Gruppendynamik, Wahrnehmungsstörungen, dem Thomas-Theorem und verwandten Themen vortragen kann.

“If men define situations as real, …

 

… they are real in their consequences”

b) ich rate dazu, die Homepage, die eigens für das Treffen angelegt wurde, mit Geheimtinte zu gestalten. Vielleicht findet sich ja im Fundus eines dem „Schwarm“ nahestehenen ehemaligen Inlandsgeheimdienstchefs noch ein Fässchen davon. Nicht, dass ich unterstelle, er habe das einfach mitgehen lassen. Vielleicht ein Abschiedsgeschenk von Kollegen, versehen mit einer Abschiedskarte mit folgender, mit Geheimtinte geschriebener Widmung -> hier zu lesen:

 

 

 

c) ich rate dringend zu einem Gedächtnistraining. Das Gehirn ist in gewissem Sinne ein Muskel, der fortwährend trainiert werden möchte.

d) die 76 Teilnehmer, die sich hier freiwillig eintrugen und damit selbst veröffentlichten, mögen einmal bei mir anrufen. Ich erkläre jedem Einzelnen von Ihnen/ihnen dann geduldig und plausibel nachvollziehbar, wie es kommen kann, dass auf der Schwarm-Homepage veröffentlichte Namen von einem externen Blogbetreiber aufgegriffen, abgeschrieben und seinerseits veröffentlicht werden können. Ich verspreche wirklich Geduld bei meinen Erklärungen. Notfalls mache ich auch eine Zeichnung wie diese hier (und erläutere „Copy&Paste“)

(Quelle: Homepage Schwarm“intelligenz“treffen)

e) Ich lese laut und verständlich diesen Disclaimer, der der Gästeliste bis heute vorangestellt ist, von der Kelle-Homepage vor:

„In dieser Liste sind nur die Gäste zu sehen, die sich damit einverstanden erklärt haben. Nur wenn Sie selbst als Gast angemeldet sind, können Sie sich die Kontaktdaten eines anderen Gastes zuschicken lassen. Sie können sich jederzeit ein- oder austragen.“

Ja, ich habe die Befähigung, wie ein Eisbrecher auch noch durch die verkrustetsten Synapsen bis zum Resthirn vorzudringen.

Honorar: 60 €/Stunde. Drei Stunden pro Anrufer dürften für einleitende Worte genügen. Der Rest und das Wesentliche dann nach Vereinbarung.

f) Ich erkärte diesen Menüpunkt der Homepage der Schwarm“intelligenz“ – notfalls auch mit Handzeichen.

g) Ich erkläre, was ein Pfeil ist und dass er durch mich dort (in den Screenshot!) hineingefügt wurde und  auf der Orginalhomepage keinesfalls zu finden ist, nie dort war und auch nicht von Linksextremisten entwendet wurde! Bevor mir hier wieder neue Verschwörungen über das Verschwinden von gelben Pfeilen ins Kraut schießen.

h) Ich rate dazu, das nächste Schwarm“intelligenz“treffen so geheim stattfinden zu lassen, sodass niemand mehr teilnehmen kann. Dann gibt’s auch keine Teilnehmerlisten mehr auf linksextremistischen Blogs, nicht wahr? Logo, oder?  Bis auf Professor Rödder natürlich, der einen hervorragenden Vortrag hielt, der jedoch auch nicht verstanden wurde und auf äußerste Empörung stieß. Vielleicht war ja Professor Rödder das U-Boot, das heimlich die Namen an den linksextremistischen Blog leakte?

Und schließlich…

g) Ich werde jetzt über den Kommentar eines Teilnehmers nachdenken müssen. Mutmaßlich finde ich dadurch aber nicht in den Schlaf, denn diese Drohung erschüttert selbst mich und schüchtert mich wahnsinnig ein!

Lieber Klaus, es war ein Genuss. Nicht nur das Programm, sondern auch soviel tolle Leute zu treffen, die einen spüren lassen, …

 

… dass man als bürgerlich denkender Mensch in diesem durchgeknallten Land nicht alleine ist.

Ja, es steht zu befürchten, dass dieser „Schwarm“ von Blindfischen immer größer werden und unser armes durchgeknalltes Land noch durchgeknallter werden könnte.

Und hier nochmal der Escher – wenn Sie wissen, was ich (damit) meine. Ein Hinweis außerdem an den geneigten Leser: nein, versuchen Sie es erst gar nicht … Also mit diesen Menschen über Corona und ähnliche Themen zu reden.

Aber vielleicht kann ja der erfahrene, im einstweiligen Ruhestand befindliche, ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes bei der Aufklärung dieser linksextremistischen Umtriebe, beim Auffinden und Ergreifen der „Spione, Spitzel und U-Boote“ – und allem voran: der Wanzen! – … und bei der Lösung des „Datenleaks“ behilflich sein?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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